Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

BILDUNG UND AUSBILDUNG

2. Hochschulbildung

In der Bundeshauptstadt schließen junge Frauen ebenso häufig wie junge Männer erfolgreich ein Hochschulstudium ab, in den darauf folgenden Stufen der akademischen Laufbahn sind sie jedoch nach wie vor unterrepräsentiert.

Im Wintersemester 2016/2017 waren an den staatlichen Hochschulen in Berlin rund 157 000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben. Knapp die Hälfte der Studierenden waren Frauen (49 %), unter den Erstimmatrikulierten lag ihr Anteil bei 51 % (Tab. 1).

Die Wahl der Studienfächer ist weiterhin stark geschlechtsspezifisch geprägt. Bei den Studienanfängerinnen, die im Wintersemester 2016/2017 ihr Studium aufnahmen, zählten die Fächer der Gruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu den Favoriten (39 %). Weiterhin entschieden sich Studentinnen zu etwa gleichen Teilen für die Fächer der Geisteswissenschaften (18 %) und der Ingenieurwissenschaften (17 %). Demgegenüber wählten Studenten im ersten Hochschulsemester am häufigsten die Fächer der Ingenieurwissenschaften (42 %), gefolgt von den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (26 %) sowie den Mathematik und Naturwissenschaften mit einem Anteil von 15 % (Tab. 2).

Insbesondere die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gelten als klassische Männerdomäne: Zwischen 2010 und 2016 ist der Frauenanteil unter den Studienanfängerinnen und -anfängern in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften lediglich um 2,5 Prozentpunkte auf 34,8 % gestiegen.

An acht der zwölf staatlichen Hochschulen in Berlin studierten im WS 2016/2017 mehrheitlich Frauen. Am stärksten war die Präsenz von Studentinnen an der Alice Salomon Hochschule (75 %), die Studiengänge in den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung anbietet. An der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ stellten Frauen hingegen nur knapp die Hälfte der Studierenden (49 %). An den drei Hochschulen mit technischer Ausrichtung (jeweils etwa ein Drittel) waren Studentinnen weiterhin deutlich unterrepräsentiert (Tab. 4).

Im Jahr 2016 haben rund 26 600 Absolventinnen und Absolventen erfolgreich ihr Studium (einschließlich Promotion) an einer staatlichen Berliner Hochschule abgeschlossen; mehr als die Hälfte davon waren Frauen (51 %). Für die große Zahl der universitären Abschlüsse (rd. 12 700) ergab sich eine Frauenquote von 52 %. Am höchsten war der Frauenanteil bei Lehramtsprüfungen (69 %) und bei künstlerischen Abschlüssen (56 %). Am niedrigsten fiel die Quote bei den Fachhochschulabschlüssen (rd. 45 %) aus, wobei sich hier je nach Fachausrichtung der Hochschulen erhebliche Unterschiede ergeben dürften (Tab. 5a).

Obwohl Frauen ihre Kommilitonen bei den Studienabschlüssen längst eingeholt haben, wird ihr Anteil mit jeder weiteren Sprosse auf der wissenschaftlichen Karriereleiter geringer: Im Jahr 2016 hatten sich rund 2 500 Personen erfolgreich durch eine Promotion weiterqualifiziert, knapp die Hälfte davon waren Frauen (48,7 %). Neben 116 Männern erhielten 40 Frauen (34,5 %) durch Habilitation eine Lehrbefähigung. Etwas besser repräsentiert waren Frauen bei den (befristeten) Juniorprofessuren, durch die ebenfalls eine Lehrbefähigung erworben werden kann: 76 der 162 Juniorprofessuren waren mit einer Frau besetzt, die Quote lag damit bei 46,9 % (Tab. 1).

Insgesamt sind die Professuren jedoch weiterhin fest in der Hand der Männer. Im Jahr 2016 lehrten und forschten an Berlins staatlichen Hochschulen 1 958 Professoren aber nur 890 Professorinnen. Dies entspricht einem Frauenanteil von 31,3 %. In der obersten Besoldungsgruppe der W3-Professuren waren Frauen sogar nur zu gut einem Viertel (25,7 %) vertreten. Von den 246 (auslaufenden) C4-Professuren waren 16,7 % mit einer Frau besetzt (Tab. 6).

Zwar hat sich der Professorinnenanteil an Berlins Hochschulen innerhalb der letzten zwei Dekaden mehr als verdoppelt. Allerdings war 2016 erstmals seit einigen Jahren keine Steigerung mehr zu verzeichnen. Im Vorjahr waren noch 31,4 % der Professuren mit einer Frau besetzt. Der Rückgang des Frauenanteils beschränkte sich jedoch auf die W2-Professuren (von 39,0 % auf 36,3 %) sowie auf die Juniorprofessuren (von 51,1 % auf 46,9 %). Am stärksten ist der Frauenanteil bei den befristeten W2-Professuren zurückgegangen. In der höchsten Besoldungsgruppe der W3-Professuren (von 25,2 % auf 25,7 %) sowie bei den (auslaufenden) C-Professuren war hingegen jeweils ein leichter Anstieg des Frauenanteils zu verzeichnen. Da seit 2005 Neuberufungen nur in W-Besoldungsgruppen erfolgen, erklärt sich der Anstieg des Frauenanteils in den C-Besoldungsgruppen durch ein stärkeres Ausscheiden von Professoren im Vergleich zu Professorinnen.

< GRAFIK >

Im Ländervergleich liegt Berlin aber weiterhin an der Spitze. Im Bundesdurchschnitt aller Hochschulen lag der Frauenanteil bei den Professuren im Jahr 2016 nur bei 23,4 % (Tab. 6).

Beim übrigen hauptberuflich beschäftigten wissenschaftlichen und künstlerischen Personal sind Frauen gut repräsentiert. Unter den 89 Dozentinnen und Dozenten bzw. Assistentinnen und Assistenten sowie den 454 Lehrkräften für besondere Aufgaben lag ihr Anteil bei 52 % bzw. 63 %. Der Frauenanteil bei den rund 11 200 wissenschaftlichen/künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lag bei 45 %. Des Weiteren gehörten an den staatlichen Hochschulen rund 5 300 Lehrbeauftragte zum nebenberuflich beschäftigten Wissenschaftspersonal; hiervon waren 37 % Frauen. Bei den rund 7 800 wissenschaftlichen Hilfskräften betrug die Frauenquote 49 % (Tab. 6).

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