Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

DEMOGRAFIE

2. Lebensformen

Moderne Stadtgesellschaften bieten zunehmend Raum für individuelle Lebensgestaltung. Auf dieser Basis haben in der Vergangenheit neue Lebens- und Familienformen an Bedeutung gewonnen – ein Trend, der bis heute anhält. Anders als in traditionellen Lebensweisen, wie in lebenslangen Ehen oder in der „Normalfamilie“ mit verheirateten Eltern, legen Menschen sich heute nicht mehr so früh und endgültig im Leben fest. Die Zahl der Singlehaushalte steigt, Kinder wachsen zunehmend in Lebensgemeinschaften oder bei Alleinerziehenden auf. In Großstädten, insbesondere auch in Berlin, sind diese allgemeinen Tendenzen besonders ausgeprägt.

Dazu gehört zum einen der Trend zu kleineren Haushalten. Vor 16 Jahren lebte noch die Mehrheit (53 %) der Berliner Bevölkerung mit anderen Personen in einem Haushalt. 2016 überwog hingegen die Zahl der Einpersonenhaushalte, ihr Anteil lag bei 52 % und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt (41 %). Auch die Mehrpersonenhaushalte werden tendenziell kleiner: Inzwischen dominieren die Zweipersonenhaushalte (61 %); bundesweit betrug ihr Anteil 58 % (Tab. 1).

In Berlin leben ebenso viele Frauen wie Männer in Singlehaushalten, sie unterscheiden sich aber deutlich hinsichtlich ihrer Altersstruktur: 2016 waren nur 15 % der Männer, aber gut ein Drittel der alleinlebenden Frauen 65 Jahre und älter. Männer in Singlehaushalten waren mehrheitlich (zu 61 %) mittleren Alters (25 bis unter 55 Jahre), bei den Frauen traf dies nur auf 40 % zu.

Dass Frauen im höheren Alter häufiger alleine leben, ist vor allem auf ihre höhere Lebenserwartung zurückzuführen, mit weitreichenden Implikationen für ihr Leben im Alter. So sind besonders Frauen in hohem Maße auf Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und/oder stationäre Betreuung angewiesen, während ältere Männer eher auf die Unterstützung ihrer Frauen bzw. Angehörigen zurückgreifen können (Tab. 4).

In gut einem Drittel der Berliner Mehrpersonenhaushalte leben Kinder unter 18 Jahren. Die Zahl der Familien mit minderjährigen Kindern war lange Zeit rückläufig, ist in den letzten sechs Jahren aber kontinuierlich gestiegen und lag 2016 bei 354 Tausend (Tab. 5, 6).

Die Formen des familiären Zusammenlebens haben sich in den letzten Dekaden erheblich verändert. Waren 1996 noch zwei Drittel der Eltern mit minderjährigen Kindern verheiratet; traf dies 2016 nur noch auf etwas mehr als die Hälfte (54 %) der Berliner Eltern zu (Bund: 70 %). Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil der Eltern, die eine Lebensgemeinschaft bildeten, auf 18 % verdoppelt (Bund: 11 %), während der Anteil der alleinerziehenden Eltern leicht auf 28 % anwuchs (Bund: 20 %). Damit wies Berlin gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern (28 %), Bremen und Sachsen-Anhalt (je 27 %) bundesweit den höchsten Anteil an Alleinerziehenden auf (Tab. 6).

< GRAFIK >

Zwar war der Anteil verheirateter Eltern in Berlin lange Zeit rückläufig, seit etwa 2010 hat sich dieser Trend allerdings abgeschwächt. 2016 war dann ein außergewöhnlich kräftiger Anstieg der Zahl verheirateter Eltern und der Eltern in Lebensgemeinschaften zu verzeichnen (+10 % bzw. +12 %); deren Anteil erhöhte sich dadurch um drei bzw. einen Prozentpunkt und war für Alleinerziehende entsprechend rückläufig. Der Anteil der Alleinerziehenden sank erstmals wieder unter die 30 %-Marke (Tab. 6).

Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern sind zum großen Teil Frauen (89 %). Zudem betreuen alleinerziehende Mütter häufiger mehrere Kinder als alleinerziehende Väter. So steigt der Frauenanteil unter den Alleinerziehenden mit zunehmender Zahl der Kinder: bei einem Kind lag er bei 87 %, bei drei und mehr Kindern sogar bei 94 %. Für Haushalte Alleinerziehender bzw. mit Eltern in Lebensgemeinschaften ergibt sich eine Kinderzahl von durchschnittlich 1,4 bzw. 1,5 Kindern; sie ist damit geringer als bei verheirateten Paaren mit durchschnittlich 1,7 Kindern. Für Berliner Familien mit Kindern unter 18 Jahren insgesamt liegt die Ziffer bei 1,6 Kindern (Tab. 7, 8).

Haushalte mit bzw. ohne Migrationshintergrund der Bezugsperson unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Größe, Zusammensetzung und Familienformen. In Haushalten mit Migrationshintergrund lag der Anteil von Singlehaushalten deutlich niedriger als bei den Haushalten ohne Migrationshintergrund (46 % zu 54 %) und es handelte sich mehrheitlich um Männer (59 % zu 48 %). Des Weiteren bestanden Mehrpersonenhaushalte mit Migrationshintergrund überwiegend (57 %) aus mindestens drei Personen und zur Hälfte aus Familien mit minderjährigen Kindern. In Mehrpersonenhaushalten ohne Migrationshintergrund traf dies jeweils nur auf ein Drittel zu (Tab. 2, 5).

Familien mit Migrationshintergrund wiesen gegenüber Familien ohne Migrationshintergrund (jeweils mit minderjährigen Kindern) einen höheren Anteil verheirateter Eltern (68 % zu 46 %), einen geringeren Anteil von Eltern in Lebensgemeinschaften (10 % zu 23 %) sowie insgesamt eine höhere durchschnittliche Kinderzahl (1,8 zu 1,5) auf. Der Anteil Alleinerziehender fiel bei den Familien ohne Migrationshintergrund zwar höher aus (32 % zu 23 %), war bei den Familien mit Migrationshintergrund aber ebenfalls beachtlich (Tab. 7).

Menschen mit Migrationshintergrund folgen jedoch den allgemeinen gesellschaftlichen Trends. Dies zeigt u. a. auch eine Sonderauswertung mit dem Titel „Lebensformen in Berlin und Deutschland im Wandel“, die 2015 im Auftrag der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erstellt wurde. Hierin werden Ausmaß und Einfluss dieser Änderungen auf das Leben von Frauen und Männern eingehender untersucht. Der Link zur Studie ist auf der Website der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie der des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hinterlegt.

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