Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2015

DEMOGRAFIE

2. Lebensformen

Moderne Industriegesellschaften bieten zunehmend Raum für individuelle Lebensgestaltung. Auf dieser Basis haben in der Vergangenheit neue Formen des Zusammenlebens an Bedeutung gewonnen – ein Trend, der bis heute anhält.

Anders als in traditionellen Lebensweisen, wie in lebenslangen Ehen oder in der „Normalfamilie“ mit verheirateten Eltern, legen Menschen sich heute nicht mehr so früh und endgültig im Leben fest; Kinder wachsen zunehmend in Lebensgemeinschaften oder bei Alleinerziehenden auf. In Großstädten, insbesondere auch in Berlin, sind diese allgemeinen Tendenzen besonders ausgeprägt.

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Dazu gehört zum einen der Trend zu kleineren Haushalten. Vor 15 Jahren lebte noch 61 % der Berliner Bevölkerung mit anderen Personen in einem Haushalt. 2015 überwog bereits deutlich die Zahl der Einpersonenhaushalte (55 %); bundesweit lag der Anteil bei 41 %. Bei Mehrpersonenhaushalten wiederum handelt es sich mittlerweile ganz überwiegend um Zweipersonenhaushalte (Berlin 62 %, Bund 58 %).

In gut einem Drittel der Mehrpersonenhaushalte leben minderjährige Kinder. Der Anteil dieser Familien blieb in den letzten 15 Jahren relativ konstant, allerdings haben sich die Formen ihres Zusammenlebens weiter verändert. Handelte es sich im Jahr 2000 noch zu 62 % um Ehepaare mit den eigenen Kindern, waren es in den letzten Jahren nur noch rund 51 % (Bund 69 %). 17 % der Familien bildeten eine Lebensgemeinschaft. Rund ein Drittel der Eltern war alleinerziehend (Bund 20 %). In Berliner Familien mit einem Kind lag der Anteil Alleinerziehender 2015 sogar bei 39 %.

89 % der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sind Frauen; der Anteil steigt mit der Kinderzahl; er liegt bei einem Kind bei 87 % und bei drei und mehr Kindern bei 92 %. In Haushalten Alleinerziehender sowie nicht verheirateter Paare leben im Durchschnitt weniger Kinder (je 1,4) als in Haushalten verheirateter Paare (1,8).

Haushalte mit bzw. ohne Migrationshintergrund unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Größe, Zusammensetzung und Familienformen. In Migrantenhaushalten leben überwiegend drei und mehr Personen. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Familien mit minderjährigen Kindern. In der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund trifft das nur auf knapp ein Drittel der Familien zu.

In Migrantenfamilien waren Eltern minderjähriger Kinder überwiegend verheiratet (62 %), was auch mit einer höheren durchschnittlichen Kinderzahl verbunden ist (1,8 zu 1,5). Allerdings ist der Anteil Alleinerziehender mit 29 % ebenfalls beachtlich hoch. In Familien ohne Migrationshintergrund sind nur 44 % der Eltern verheiratet und die Quote für Alleinerziehende lag bei 34 %.

Menschen mit Migrationshintergrund folgen jedoch den allgemeinen gesellschaftlichen Trends. Dies zeigt u. a. auch eine Sonderauswertung mit dem Titel „Lebensformen in Berlin und Deutschland im Wandel“, die 2015 im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erstellt wurde. Hierin werden Ausmaß und Einfluss dieser Änderungen auf das Leben von Frauen und Männern eingehender untersucht. Der Link zur Studie ist auf der Website der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie der des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hinterlegt.

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