Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2019

DEMOGRAFIE

2. Lebensformen

Moderne Stadtgesellschaften bieten zunehmend Raum für individuelle Lebensgestaltung. Auf dieser Basis haben in der Vergangenheit neue Lebens- und Familienformen an Bedeutung gewonnen. Anders als in traditionellen Lebensweisen legen Menschen sich heute nicht mehr so früh und endgültig im Leben fest. Die Zahl der Singlehaushalte steigt, Kinder wachsen zunehmend in Lebensgemeinschaften, in sog. Patchwork-Familien oder bei Alleinerziehenden auf. In Großstädten, insbesondere auch in Berlin, sind diese allgemeinen Tendenzen besonders ausgeprägt.

Dazu gehört der hohe Anteil der Einpersonenhaushalte in Berlin, der mit 53 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 42 % liegt (2019). Es leben ebenso viele Frauen wie Männer in Singlehaushalten, die sich aber deutlich in der Altersstruktur unterscheiden: 38 % der alleinlebenden Frauen waren 65 Jahre und älter; von den Männern waren es nur 16 %. Alleinlebende Männer waren überwiegend mittleren Alters, von 25 bis unter 55 Jahren (60 %), alleinlebende Frauen waren dies zu 40 %. (Tab. 1, 4)

Dass Frauen im höheren Alter häufiger allein leben, ist vor allem auf ihre höhere Lebenserwartung zurückzuführen und ist verbunden mit weitreichenden Implikationen für ihr Leben im Alter. So sind Frauen in höherem Maße auf Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und/oder stationäre Betreuung angewiesen, während ältere Männer eher auf die Unterstützung ihrer Partnerinnen bzw. Angehörigen zurückgreifen können.

In 39 % der Berliner Mehrpersonenhaushalte lebten 2019 Kinder unter 18 Jahren. Die Zahl der Familien mit minderjährigen Kindern war lange Zeit rückläufig, stieg dann aber wieder kontinuierlich an, zuletzt von 340 Tausend Familien in 2015 auf 372 Tausend in 2019. (Tab. 5, 6)

Die Formen des familiären Zusammenlebens haben sich in den letzten Dekaden erheblich verändert. Waren 1996 noch zwei Drittel der Berliner Eltern minderjähriger Kinder verheiratet, ging ihr Anteil bis 2015 auf 51 % zurück. In den letzten Jahren stieg er dann aber wieder auf 56 % (2019). Parallel dazu nahm zunächst der Teil alleinerziehender Eltern zu und sank dann wieder auf das Ausgangsniveau von 26 %. Der Anteil der Eltern in Lebensgemeinschaften hat sich dagegen beständig erhöht von insgesamt 9 % (1996) auf 18 % (2019). (Tab. 6)

< GRAFIK >

Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern sind zum großen Teil Frauen (2019: 88 %). Zudem leben bei alleinerziehenden Müttern häufiger mehrere Kinder als bei alleinerziehenden Vätern: Unter den Alleinerziehenden mit einem Kind waren 87 % Frauen, unter denen mit drei und mehr Kindern 90 %. In Familien Alleinerziehender sowie in denen mit Eltern in Lebensgemeinschaft lebten im Durchschnitt weniger Kinder (1,5 Kinder) als bei verheirateten Paaren (1,7 Kinder). (Tab. 7, 8)

Haushalte mit bzw. ohne Migrationshintergrund der Bezugsperson unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Zusammensetzung und Familienformen. Bei Haushalten mit Migrationshintergrund war der Anteil von Singlehaushalten 2019 deutlich niedriger als bei den Haushalten ohne Migrationshintergrund (49 % zu 54 %). Des Weiteren bestanden Mehrpersonenhaushalte mit Migrationshintergrund überwiegend (56 %) aus mindestens drei Personen und zu 51 % aus Familien mit minderjährigen Kindern. In Mehrpersonenhaushalten ohne Migrationshintergrund traf dies jeweils nur auf gut ein Drittel der Haushalte zu. (Tab. 2, 5) In Familien mit Migrationshintergrund (und minderjährigen Kindern) waren mehr Eltern verheiratet (66 % zu 49 %), lebten weniger in Lebensgemeinschaften (11 % zu 23 %) und auch der Anteil Alleinerziehender fiel geringer aus, als in Familien ohne Migrationshintergrund (24 % zu 28 %). (Tab. 7)

Menschen mit Migrationshintergrund folgen in der Regel tendenziell den allgemeinen gesellschaftlichen Trends. Dies zeigt u. a. auch eine Sonderauswertung aus dem Mikrozensus zu „Lebensformen in Berlin und Deutschland im Wandel“, die im Auftrag der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erstellt wurde. Darin wurden Ausmaß und Einfluss dieser Änderungen auf das Leben von Frauen und Männern eingehender untersucht. Der Link zur Studie ist auf der Website der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie der des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hinterlegt.

DOWNLOADS

>  PDF | EXCEL