Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2016

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

2. Gewalt gegen Frauen

Als häusliche Gewalt werden Gewaltstraftaten in partnerschaftlichen oder engen persönlichen Beziehungen bezeichnet. Die Gewalt geht in bis zu 80 % der Fälle von Männern aus. Der Bedeutung und Schwere dieser Straftaten trägt die Berliner Polizei durch ein gesondertes Erhebungs- und Analyseverfahren Rechnung. Im Jahr 2015 wurden 14 490 Fälle häuslicher Gewalt aktenkundig. Gegenüber dem Vorjahr ist damit ein Rückgang um 764 Fälle zu verzeichnen. Bei gut drei Viertel der Taten handelt es sich um Rohheitsdelikte, darunter u.a. 7&bnsp;282 Fälle leichter und 1 481 Fälle schwerer Körperverletzung. Zudem wurden zwei vollendete Tötungsdelikte und zwei Tötungsversuche registriert sowie 128 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (14 Fälle weniger als im Vorjahr).

< GRAFIK >

Insgesamt ermittelte die Polizei 2015 im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt 10 208 Tatverdächtige (404 weniger als im Vorjahr), darunter 7 727 Männer (75,7 %). 12 143 Personen wurden als Opfer dieser Straftaten registriert, drei Viertel davon sind Frauen. Als sofortige Schutzmaßnahme erteilte die Polizei 1 372 Wegweisungen, 370 Betretungsverbote und 339 Kontaktverbote.

Auch von den Amts- und Staatsanwaltschaften Berlins werden Fälle häuslicher Gewalt gesondert erfasst. 2015 wurden zusammen 12 381 Verfahren eingeleitet, 12 952 abgeschlossen und 10 544 eingestellt. Insgesamt wurde 472-mal Klage erhoben und in 899 Fällen Strafbefehl beantragt.

Seit 2007 sind in Deutschland auch Nachstellungen (Stalking) unter Strafe gestellt, die mit erheblichen Gefährdungen der psychischen oder physischen Gesundheit der Opfer verbunden sind. 2015 registrierte die Polizei 391 Fälle von Stalking im Zusammenhang mit  häuslicher Gewalt (Vorjahr 561).

Zum Schutz gegen häusliche Gewalt sowie gegen ständige Belästigungen (Stalking) ist seit 2002 das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Die Opfer können in diesen Fällen beim zuständigen Zivilgericht eine Schutzanordnung beantragen. Der Verstoß gegen die gerichtlichen Anordnungen ist unter Strafe gestellt.

Um den Opfern von häuslicher Gewalt schnelle Hilfe bieten zu können, fördert der Berliner Senat die telefonische Beratung der BIG-HOTLINE sowie sechs Frauenhäuser mit 326 Plätzen und 41 Zufluchtswohnungen mit 117 Plätzen. 2015 haben 1 842 Frauen und Kinder ein Frauenhaus aufgesucht; das entspricht einer Auslastung von durchschnittlich 89 % und 450 haben Zufluchtswohnungen in Anspruch genommen.

Seit dem Jahr 2011 ist ein Rückgang der Belegungszahlen zu verzeichnen, der zum Teil auf eine höhere Verweildauer vieler Frauen zurückzuführen ist. Dies ist u.a. auch ein Hinweis auf den schwierigen Berliner Wohnungsmarkt. Vor dem Hintergrund der steigenden Auslastung wurde in den Jahren 2014 und 2016 die Aufnahmekapazität in den Frauenhäusern erhöht, so dass derzeit 326 Frauenhausplätze zur Verfügung stehen.

Außerdem wurden ab dem Jahr 2016 die ambulante Beratung in den Interventions- und Fachberatungsstellen ausgebaut, „Zweite Stufe Wohnungen“ für Frauen, die sich länger als drei Monate in den Frauenhäusern aufhalten, eingerichtet und die Maßnahmen zur verstärkten Wohnraumvermittlung eingeleitet.

Die Frauenberatungsstellen boten 2 977 von Gewalt betroffenen Frauen sowie 367 unterstützenden Personen ihre Hilfe an. Auch die telefonische Beratung der BIG-HOTLINE wurde mit insgesamt 9 611 Anrufen in weiter steigendem Maße in Anspruch genommen (durchschnittlich 26 Anrufe am Tag).

Die Polizei vermittelte 2015 in 366 Fällen häuslicher Gewalt die Kontaktaufnahme der Beratungsstellen zu den Opfern. Diese proaktive Arbeitsweise ist in Berlin zum festen Bestandteil der Unterstützungsangebote für von häuslicher Gewalt betroffener Frauen geworden; die Fallzahlen sind seit 2011 (702 Fälle) allerdings deutlich zurückgegangen.

Die Jugend- bzw. Kindernotdienste intervenierten 2015 zusammen in 444 Fällen wegen häuslicher Gewalt (Beratung und Inobhutnahme). Insgesamt nahmen die Notdienste 38 Kinder bei sich auf.

Seit 2008 besteht die Beratungsstelle „Stop-Stalking“ , die sich an Täter wendet und seit 2014 auch Stalking-Betroffene berät. Da Stalking durch einen Ex-Partner meist häusliche Gewalt vorausgeht, sind die Daten der Beratungsstelle hier aufgenommen. Seit 2008 haben insgesamt 869 Täterinnen und Täter in 4 732 Kontakten die Beratung in Anspruch genommen. 2015 wurden zudem 546 von Stalking betroffene Personen in 997 Beratungen betreut; 80 % der Ratsuchenden waren Frauen.

Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung findet nahezu ausschließlich im Prostitutionsmilieu statt. Die unterschiedliche Belastung der Bundesländer mit diesen Delikten steht im Zusammenhang mit der Größe ihrer „Rotlichtmilieus“. Im Jahr 2015 hat die Polizei bundesweit 364 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. Im Zusammenhang mit den Verfahren wurde u.a. zu folgenden Begleitstraftaten ermittelt: 94 Gewaltdelikte, 118 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 24 Freiheitsberaubungen und 21 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Ermittlungen ergaben bundesweit 573 Tatverdächtige, bei denen es sich größtenteils um Männer handelte (78 %). Die Tatverdächtigen sind vor allem deutsche (25 %), rumänische (21 %) und bulgarische (13 %) Staatsangehörige. Insgesamt wurden 416 Opfer ermittelt, bei denen es sich fast ausschließlich um Frauen handelt (96 %). Auch bei den Opfern entfallen die größten Anteile vor allem auf rumänische (24 %) und deutsche (23 %) sowie bulgarischen Staatsangehörige (17 %).

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