Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

2. Gewalt gegen Frauen

Als häusliche Gewalt werden Gewaltstraftaten in partnerschaftlichen oder engen persönlichen Beziehungen bezeichnet. Ganz überwiegend handelt es sich dabei um Gewalthandlungen von Männern an Frauen.

Seit 2011 ermöglicht die Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin Aussagen zu Opfern, die in einem partnerschaftlichen oder innerfamiliären Verhältnis zur tatverdächtigen Person stehen. Im Jahr 2016 wurden 14 497 Fälle häuslicher Gewalt aktenkundig. Gegenüber dem Vorjahr ist damit ein leichter Anstieg um 7 Fälle zu verzeichnen.

Als sofortige Schutzmaßnahme erteilte die Polizei 1 162 Wegweisungen.

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Auch von den Amts- und Staatsanwaltschaften Berlins werden Fälle häuslicher Gewalt gesondert erfasst. 2016 wurden zusammen 13 918 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 13 241 abgeschlossen sowie 10 938 eingestellt (auch Verfahren aus den Vorjahren). Insgesamt wurde 442-mal Klage erhoben und in 828 Fällen Strafbefehl beantragt.

Zum Schutz gegen häusliche Gewalt sowie gegen ständige Belästigungen (Stalking) ist seit 2002 das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Die Opfer können in diesen Fällen beim zuständigen Zivilgericht eine Schutzanordnung beantragen. Der Verstoß gegen die gerichtlichen Anordnungen ist unter Strafe gestellt.

Um den Opfern von häuslicher Gewalt schnelle Hilfe bieten zu können, fördert der Berliner Senat die Beratungsstelle BIG-HOTLINE sowie sechs Frauenhäuser mit 326 Plätzen und 41 Zufluchtswohnungen mit 119 Plätzen. 2016 haben 2 024 Frauen und Kinder ein Frauenhaus aufgesucht - das entspricht einer Auslastung von durchschnittlich 93 % -, und 438 haben Zufluchtswohnungen in Anspruch genommen.

Für 2016 ist ein Anstieg der Belegungszahlen, insbesondere ein Zuwachs bei den Kindern, zu verzeichnen. Die Verweildauer konnte 2016 nicht gesenkt werden. Dies ist u.a. der schwierigen Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt geschuldet.

Maßnahmen zur verstärkten Wohnraumvermittlung wurden 2015 eingeleitet. 2016 haben 365 Frauen Wohnungsanträge gestellt. Für 144 Frauen konnte ein Mietvertragsabschluss erreicht werden.

Die Frauenberatungsstellen boten 2 898 von Gewalt betroffenen Frauen sowie 632 unterstützenden Personen ihre Hilfe an. Auch die telefonische Beratung der BIG-HOTLINE wurde mit insgesamt 9 067 Anrufen in starkem Maße in Anspruch genommen (durchschnittlich 22 Anrufe am Tag).

Die Polizei vermittelte 2016 in 346 Fällen häuslicher Gewalt die Kontaktaufnahme der Beratungsstellen zu den Opfern. Diese proaktive Arbeitsweise ist in Berlin zum festen Bestandteil der Unterstützungsangebote für von häuslicher Gewalt betroffener Frauen geworden; die Fallzahlen sind seit 2011 allerdings deutlich zurückgegangen.

Die Jugend- bzw. Kindernotdienste intervenierten 2016 zusammen in 473 Fällen wegen häuslicher Gewalt (Beratung und Inobhutnahme). Insgesamt nahmen die Notdienste 45 Kinder bei sich auf.

Seit 2008 besteht die Beratungsstelle „Stop-Stalking“ , die sich an Täterinnen und Täter wendet und seit 2014 auch Stalking-Betroffene berät. Da Stalking durch einen Ex-Partner meist häusliche Gewalt vorausgeht, sind die Daten der Beratungsstelle hier aufgenommen. Seit 2008 haben insgesamt 996 Täterinnen und Täter in 5 356 Kontakten die Beratung in Anspruch genommen. 2016 wurden zudem 481 von Stalking betroffene Personen in 932 Beratungen betreut; 80 % der Ratsuchenden waren Frauen.

Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung findet nahezu ausschließlich im Prostitutionsmilieu statt. Die unterschiedliche Belastung der Bundesländer mit diesen Delikten steht im Zusammenhang mit der Größe ihrer „Rotlichtmilieus“. Im Jahr 2016 hat die Polizei bundesweit 363 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. Im Zusammenhang mit den Verfahren wurden u.a. zu folgenden Begleitstraftaten ermittelt: 117 Gewaltdelikte, 48 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 29 Freiheitsberaubungen und 29 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Ermittlungen ergaben bundesweit 524 Tatverdächtige, bei denen es sich größtenteils um Männer handelte (73 %). Die Tatverdächtigen sind vor allem deutsche (28 %), bulgarische (16 %) und rumänische (15 %) Staatsangehörige. Insgesamt wurden 488 Opfer ermittelt, bei denen es sich fast ausschließlich um Frauen handelt (95 %). Auch bei den Opfern entfallen die größten Anteile vor allem auf deutsche (26 %), bulgarische (19 %) sowie rumänische (16 %) Staatsangehörige.

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