Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2019

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

2. Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist die häufigste Form von Gewalt weltweit und zieht sich durch alle sozialen Schichten. Sie findet meist zu Hause statt, gerade dort also, wo Schutz und Geborgenheit gesucht werden. Unter häuslicher Gewalt wird im Allgemeinen die Gewaltanwendung in Ehe- und (Ex-)Partnerbeziehungen verstanden. Ganz überwiegend handelt es sich dabei um Gewalt von Männern an Frauen. Sie ist meist kein einmaliges Ereignis. Häufigkeit und Intensität eskalieren oftmals mit der Zeit. Gewalt gegen Frauen wird als Menschenrechtsverletzung anerkannt. In Berlin gibt es ein engmaschiges, vom Berliner Senat finanziertes Netz von Hilfeangeboten.

Seit 2011 ermöglicht die Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin Aussagen zu Opfern, die zur tatverdächtigen Person in einem ehelichen, partnerschaftlichen, familiären bzw. Angehörigenverhältnis stehen. Im Jahr 2018 wurden 15 665 solche Opfer registriert, der Frauenanteil lag mit 11 252 Fällen bei 72 %. 10 573 Opfer innerfamiliärer Gewalt befanden sich in einer partnerschaftlichen Beziehung zur tatverdächtigen Person. Bei diesen Opfern handelt es sich zu 79 % um Frauen. (Tab. 3)

Im Vorgangsbearbeitungssystem der Berliner Polizei wurden in 15 368 Fällen Straftaten als häusliche Gewalt gekennzeichnet. Als sofortige Schutzmaßnahme erteilte die Polizei 1 421 Wegweisungen. (Tab. 2)

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Auch von den Amts- und Staatsanwaltschaften Berlins werden Fälle häuslicher Gewalt gesondert erfasst. 2018 wurden insgesamt 14 519 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 14 538 abgeschlossen sowie 11 534 eingestellt (darunter auch Verfahren aus den Vorjahren). Insgesamt wurde in 573 Fällen Klage erhoben und in 1 005 Fällen Strafbefehl beantragt. (Tab. 4, 5)

Zum Schutz gegen häusliche Gewalt sowie gegen ständige Belästigungen (Stalking) ist seit 2002 das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Die Opfer können in diesen Fällen beim zuständigen Zivilgericht eine Schutzanordnung beantragen. Der Verstoß gegen die gerichtlichen Anordnungen ist unter Strafe gestellt.

Um den Opfern von häuslicher Gewalt schnelle Hilfe bieten zu können, fördert der Berliner Senat die BIG-HOTLINE sowie sechs Frauenhäuser mit 301 Plätzen und 45 Zufluchtswohnungen mit 298 Plätzen. Seit 2018 wird gem. den Anforderungen des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (sog. Istanbul-Konvention) auf das Vorhalten von Familienplätzen abgestellt. 2018 wird mit 1,5 Kindern pro Frauenplatz gerechnet. 2018 suchten 1 585 Frauen und Kinder ein Frauenhaus auf. Das entsprach einer Auslastung von durchschnittlich 89 %. 224 Frauen und 166 Kinder nahmen Zufluchtswohnungen in Anspruch. (Tab. 6)

Im Jahr 2018 konnte der bereits 2017 begonnene Abbau von Langzeitaufenthalten im Frauenhaus fortgesetzt werden. Diese Verbesserung steht u.a. im Zusammenhang mit der Verstärkung der Wohnungsvermittlung. 2018 hatten 485 Frauen Wohnungsanträge gestellt. Für 242 Frauen konnte ein Mietvertrag abgeschlossen werden.

Die Frauenberatungsstellen berieten 3 438 von Gewalt betroffene Frauen sowie 334 unterstützende Personen. Auch die telefonische Erst-Beratung der BIG-HOTLINE wurde mit insgesamt 8 816 Anrufen weiterhin in hohem Maße in Anspruch genommen (durchschnittlich 24 Anrufe am Tag).

Die Jugend- bzw. Kindernotdienste intervenierten 2018 in 396 Fällen wegen häuslicher Gewalt (Beratung und Inobhutnahme). Insgesamt nahmen die Notdienste 35 Kinder bei sich auf. (Tab. 6)

Seit 2008 besteht die Beratungsstelle „Stopp-Stalking“, die sich an Täterinnen und Täter wendet und seit 2014 auch Stalking-Betroffene berät. Da dem Stalking durch einen Ex-Partner meist häusliche Gewalt vorausgeht, wurden die Daten der Beratungsstelle hier aufgenommen. Seit Bestehen der Beratungsstelle haben insgesamt 1 266 Täterinnen und Täter in 6 797 Kontakten die Beratung in Anspruch genommen. 2018 wurden zudem 538 von Stalking betroffene Personen in 1 133 Beratungen betreut; 80 % der Ratsuchenden waren Frauen. (Tab. 6)

Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung findet nahezu ausschließlich im Prostitutionsmilieu statt. Die unterschiedliche Belastung der Bundesländer mit diesen Delikten steht im Zusammenhang mit der Größe ihrer „Rotlichtmilieus“. Im Jahr 2018 schloss die Polizei bundesweit 356 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ab. Im Zusammenhang mit den Verfahren wurde u.a. zu folgenden Begleitstraftaten ermittelt: 83 Gewaltdelikte, 51 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 34 Freiheitsberaubungen und 25 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Ermittlungen ergaben bundesweit 552 Tatverdächtige, bei denen es sich größtenteils um Männer handelte (74 %). Die Tatverdächtigen waren vor allem deutscher (21 %), bulgarischer (19 %) und rumänischer (13 %) Nationalität. 9 % der Tatverdächtigen stammten aus Afrika, darunter 80 % aus Nigeria. (Tab. 7)

Insgesamt wurden 430 Opfer gemeldet, bei denen es sich fast ausschließlich um Frauen handelte (96 %). Diese Opfer waren etwa zur Hälfte bulgarische (15 %), rumänische (15 %) und deutsche (18 %) Staatsangehörige. 20 % der Opfer stammten aus Afrika, vorwiegend aus Nigeria (14 %). (Tab. 9)

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