Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2019

POLITISCHE PARTIZIPATION

Politische Partizipation

Seit der Einführung des Frauenwahlrechts vor rund 100 Jahren gab es große Fortschritte im Hinblick auf die demokratische Teilhabe von Frauen. Die Institutionen und Prozesse der parlamentarischen Demokratie sind ohne Frauen nicht mehr denkbar. Eine paritätische Teilhabe wurde jedoch noch nicht erreicht. Auch ist der Weg dahin nicht immer geradlinig, temporäre Rückschritte kommen ebenso vor wie Sprünge nach vorn.

Ein Drittel der Parlamentarier/innen im Berliner Abgeordnetenhaus sind zurzeit Frauen. Nach den letzten Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Jahr 2016 zogen 160 Abgeordnete für sechs Parteien ins Parlament ein, darunter 107 Männer und 53 Frauen. Die Frauenquote sank gegenüber der letzten Wahl von 2011 leicht von 35 % auf 33 %. (Tab. 1)

Dieser leichte Rückgang des Frauenanteils ist vor allem auf den Einzug zweier männerdominierter Parteien zurückzuführen, die zuvor nicht im Abgeordnetenhaus vertreten waren: Bei der AfD-Fraktion gingen nach der Wahl nur drei der 25 Parlamentssitze an Frauen (12 %), bei der FDP-Fraktion waren es zwei von 12 Sitzen (17 %). (Tab. 1)

Mit Ausnahme der CDU sind die bereits zuvor im Parlament vertretenen Fraktionen nach der Wahl mit einem höheren Frauenanteil in das Abgeordnetenhaus eingezogen. In der Fraktion der GRÜNEN stieg der Frauenanteil von 45 % auf 56 % und erhöhte sich im Nachrückverfahren auf 59 %. In der Fraktion der LINKEN stieg der Frauenanteil zunächst auf 52 % und ging im Nachrückverfahren auf 48 % zurück. Von den 38 Abgeordneten der SPD waren 40 % Frauen. (Tab. 1)

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Dem elfköpfigen Berliner Senat gehören neben dem Regierenden Bürgermeister gegenwärtig jeweils fünf Senatorinnen und Senatoren an. Die Senatsmitglieder werden zurzeit von zehn Staatssekretärinnen und 14 Staatssekretären unterstützt. (Tab. 2)

Gleichzeitig mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus fanden 2016 auch die Wahlen zu den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen statt. Auch in den Kommunalparlamenten war der Anteil der Frauen nach der Wahl geringer als zuvor. Von den insgesamt 660 Bezirksverordneten waren 260 Frauen; die Quote sank leicht auf 39 %. (Tab. 3)

Die GRÜNEN und die LINKE konnten 52 % bzw. 51 % der ihnen zustehenden Sitze mit Frauen besetzten und die SPD 48 %. Bei der CDU war es nur jeder dritte und bei der FDP nur jeder fünfte Sitz. Noch darunter lag die AfD mit einer Quote von 16 %. (Tab. 3)

Die Zahl der Berliner Bezirksbürgermeisterinnen hat sich erhöht. In der letzten Legislaturperiode stand nur in einem von zwölf Berliner Bezirken eine Frau an der Spitze, nach den letzten Wahlen waren es fünf (gegenwärtig vier). In den Bezirksämtern blieb der Anteil der Bezirksstadträtinnen mit 33 % ebenfalls auf niedrigerem Niveau: Neben 32 Bezirksstadträten waren 16 Bezirksstadträtinnen im Amt. (Tab. 4)

Im Rahmen der repräsentativen Wahlstatistik werden die Stimmabgaben für die Parteien und die Wahlbeteiligung nach Alter und Geschlecht der Wählenden untersucht. Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Parteien-Präferenz und dem Geschlecht der Wählenden sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene.

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2016 gaben Frauen etwas häufiger als Männer ihre Stimme der SPD, der CDU und den GRÜNEN, während Männer deutlich häufiger als Frauen die AfD wählten (18 % zu 11 %). (Tab. 6)

Ein ebenfalls deutlicher Zusammenhang besteht zwischen der Parteipräferenz und dem Alter der Wählenden. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2016 lag die Zustimmung zur CDU in der Altersgruppe „70plus“ deutlich über und bei den 18 bis 44-Jährigen deutlich unter dem Durchschnitt. Bei der SPD ergab sich ebenfalls für die Altersgruppe „70plus“ ein höherer Anteil. Die GRÜNEN erhielten den meisten Zuspruch von den 18 bis 44-Jährigen. Die AfD konnte am meisten Stimmen von der Altersgruppe der 45 bis 59-Jährigen gewinnen, und zwar mehr von der männlichen Bevölkerung dieser Altersgruppe (über 20 %) als von der weiblichen (13 %). Über 60-jährige Frauen votierten hingegen deutlich häufiger als Männer für SPD oder CDU. (Tab. 6)

Auch die Wahlbeteiligung variiert je nach Alter und Geschlecht der Wählenden. Generell steigt die Wahlbeteiligung mit dem Alter. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2016 war sie in der Altersgruppe der 21 bis 24-Jährigen mit 54 % am geringsten und unter den ab 40-Jährigen mit 70 % und mehr am höchsten. Die Wahlbeteiligung der Frauen war in nahezu allen Altersstufen höher als die der Männer. (Tab. 7)

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