Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

BILDUNG UND AUSBILDUNG

1. Schul- und Berufsbildung

Mit dem Erwerb von Schul- und Ausbildungsabschlüssen werden die Weichen für die ökonomischen und gesellschaftlichen Teilhabechancen junger Frauen und Männer gestellt. Hinsichtlich ihrer Schulausbildung haben die jungen Frauen die jungen Männer inzwischen sogar überholt: Sie erwerben deutlich häufiger die Hochschulreife und bleiben seltener ohne Schulabschluss. Auch an den beruflichen Schulen stellen Frauen mittlerweile mehr als die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen. Bei der Wahl der Ausbildungsbereiche bestehen jedoch weiterhin starke Geschlechterunterschiede.

Von der Berliner Bevölkerung (25 bis 64 Jahre) verfügten im Jahr 2016 etwa gleich viele Frauen wie Männer über eine Hochschul- oder Fachhochschulreife (52 % zu 51 %). Gleiches gilt für den Hochschul- oder Fachhochschulabschluss (jeweils 34 %). In den jüngeren Jahrgängen lässt sich jedoch bereits ein deutlicher Bildungsvorsprung der Frauen feststellen: Von den 25- bis 34-Jährigen besaßen 67 % der Frauen aber nur 62 % der Männer die (Fach-)Hochschulreife. Einen (Fach-)Hochschulabschluss konnten in dieser Altersgruppe bereits 42 % der Frauen aber nur 37 % der Männer vorweisen (Tab. 2a, 2b).

Auch die heutige Mädchen-Generation ist an allgemeinbildenden Schulen insgesamt erfolgreicher als Jungen: Der Vorsprung zeigt sich zum einen in ihrem hohen Anteil von 53 % in der Sekundarstufe II (Schuljahr 2016/17), die zum Abitur führt. Zum anderen hatte mehr als die Hälfte der jungen Frauen, die im Schuljahr 2015/16 aus einer allgemeinbildenden Schule entlassen wurden, die allgemeine Hochschulreife erworben (55 %); von den Schülern waren es nur 46 %. Zudem verließen deutlich weniger junge Frauen als Männer (8 % zu 11 %) die Schule ohne Abschluss (Tab. 4b,5a).

< GRAFIK >

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit an den allgemeinbildenden Schulen ist in Berlin erstmals seit Jahren wieder gestiegen und zwar um 2 Prozentpunkte auf 15 % (2016/17). Der Anteil der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache (ausländischer und deutscher Staatsangehörigkeit) hat sich insgesamt auf 38 % erhöht. In der Sekundarstufe II stellte diese Gruppe nur gut ein Viertel der Lernenden; auch hier waren die Mädchen mit 53 % in der Mehrheit (Tab. 4b).

Im Schuljahr 2016/17 besuchten rund 88 700 Schülerinnen und Schüler in Berlin eine berufliche Schule, weniger als die Hälfte davon (48 %) waren Frauen. Bei den Absolventinnen und Absolventen der beruflichen Schulen lag der Frauenanteil in den letzten Jahren jedoch stets höher (2015/16: 51 %), was darauf schließen lässt, dass junge Frauen auch ihre Berufsausbildung erfolgreicher durchlaufen als junge Männer (Tab. 6,8).

Allerdings werden die einzelnen Formen der beruflichen Ausbildung von Frauen und Männern weiterhin sehr unterschiedlich genutzt. Männer dominieren in der dualen, Frauen in der schulischen Berufsausbildung. In den letzten Jahren haben sich diese Geschlechterdifferenzen sogar noch verstärkt. Zwar erfolgte die Berufsausbildung im Schuljahr 2016/17 bei beiden Geschlechtern hauptsächlich im dualen System, d.h. an den Berufsschulen, für Männer jedoch häufiger als für Frauen. Der Frauenanteil lag hier nur bei 41 %. An den Berufsfachschulen überwogen hingegen die Schülerinnen (54 %). Seit 2010 ist die Frauenquote hier um 4,6 Prozentpunkte gestiegen, während die Quote an den Berufsschulen um 4,0 Prozentpunkte zurückgegangen ist. Weitgehend von Frauen in Anspruch genommen wird auch die Ausbildung an den Stätten des Gesundheitswesens, die nicht zu den beruflichen Schulen gehören. Der Frauenanteil lag insgesamt bei (74 %), in den Pflegeberufen sogar bei 80 % (Tab. 7).

Die mehrheitlich von Frauen besuchte schulische Ausbildung ist gegenüber dem dualen System mit einigen Nachteilen verbunden: So bietet die betriebliche Ausbildung u.a. bessere Übergangschancen ins Erwerbsleben sowie eine tarifvertraglich geregelte Ausbildungsvergütung. In der schulischen Ausbildung fallen hingegen sogar häufig Schulgebühren an.

Unter den Schülerinnen und Schülern der beruflichen Schulen waren 24 % nichtdeutscher Herkunftssprache, darunter 15 % mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Für diese Jugendlichen hatte das duale System ein deutlich geringeres Gewicht als für die Gruppe mit deutscher Herkunftssprache. Dies traf insbesondere auf die Frauen zu: Unter den Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache an den Berufsschulen lag die Frauenquote nur bei 38 %. Bei jenen mit deutscher Herkunftssprache lag die Quote bei 43 % (Tab. 6,7).

Auch bei der Wahl der Berufsfelder gehen Frauen und Männer meist getrennte Wege: Knapp die Hälfte der jungen Frauen an den beruflichen Schulen wurde im Bereich Wirtschaft und Verwaltung ausgebildet (47 %); weitere Schwerpunkte lagen in den Bereichen Gesundheit und Körperpflege (zus. 25 %) sowie bei Ernährung und Hauswirtschaft (13 %). Bei den jungen Männern standen hingegen technische Berufe in den Bereichen Metall-, Elektro-, Bau- und Holztechnik am höchsten im Kurs (insg. 46 %), gefolgt von Wirtschaft und Verwaltung (30 %) sowie Ernährung und Hauswirtschaft mit 12 % (Tab. 7,9).

Von den jungen Frauen bzw. Männern, die 2016 eine neue Ausbildung abschlossen, entschied sich die Mehrheit für den Bereich Industrie und Handel (52 % bzw. 61 %). Bei den Männern schloss ein weiteres Drittel im Handwerk einen Ausbildungsvertrag ab; für Frauen waren noch vor dem Handwerk (15 %) vor allem die freien Berufe (24 %) von Bedeutung, davon lagen 73 % im Zuständigkeitsbereich der Ärzte- und Zahnärztekammern (Tab.11,12).

Exkurs: Personal an Berliner Schulen

An den Berliner allgemeinbildenden und beruflichen Schulen stellten Frauen Anfang 2017 insgesamt 74 % des pädagogischen Personals, der Großteil davon (über 40 %) war an Grundschulen tätig; hier lag der Frauenanteil bei 85 %. Das männliche Personal verteilte sich hingegen gleichmäßiger auf die vier großen Schularten. Trotz des insgesamt hohen Frauenanteils beim pädagogischen Personal erreichte die Quote im Leitungsbereich erstmals im Jahr 2010 die 50 %-Marke. 2017 lag sie bei 59 %. Zwar waren die Leitungspositionen an allen sechs Schularten mehrheitlich an Frauen vergeben, eine Geschlechterparität bei den Schulleitungen konnten jedoch nur die Grund- und Förderschulen sowie erstmals die Schulen des Zweiten Bildungswegs aufweisen (Tab. 13a,13b).

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