Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2019

BILDUNG UND AUSBILDUNG

1. Schul- und Berufsbildung

Mit dem Erwerb von Schul- und Ausbildungsabschlüssen werden die Weichen für die ökonomischen und gesellschaftlichen Teilhabechancen junger Frauen und Männer gestellt. Hinsichtlich ihrer Schulausbildung haben die jungen Frauen die jungen Männer inzwischen überholt: Sie erlangen deutlich häufiger die Hochschulreife und bleiben seltener ohne Schulabschluss. Auch an den beruflichen Schulen stellen Frauen mittlerweile mehr als die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen. Bei der Wahl der Ausbildungsbereiche bestehen jedoch weiterhin starke Geschlechterunterschiede.

Von der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren hatten mehr Frauen (57 %) als Männer (53 %) die allgemeinbildende Schule mit einer Hochschulreife abgeschlossen (Schuljahr 2019). Gleiches gilt beim beruflichen (Fach)- Hochschulabschluss der 25 bis 64-jährigen Bevölkerung (40 % zu 37 %). (Tab. 1.1, 1.2)

In den jüngeren Jahrgängen lässt sich ein noch deutlicher Bildungsvorsprung der Frauen feststellen: Von den 25 bis 34-Jährigen besaßen 74 % der Frauen, aber erst 69 % der Männer eine Hochschulreife. Einen Fach- bzw. Hochschulabschluss konnten in dieser Altersgruppe bereits die Hälfte der Frauen aber nur 43 % der Männer vorweisen. (Tab. 2.1, 2.2)

Auch die heutige Generation der Mädchen ist an allgemeinbildenden Schulen insgesamt erfolgreicher als Jungen: Der Vorsprung zeigt sich zum einen in ihrem höheren Anteil von 53 % in der Sekundarstufe II (Schuljahr 2019/20), die zum Abitur führt. Zum anderen hatten 52 % der jungen Frauen, die im Schuljahr 2018/19 aus einer allgemeinbildenden Schule entlassen wurden, die allgemeine Hochschulreife erworben; von den Schülern waren es nur 42 %. Zudem verließen weniger junge Frauen als Männer die Schule ohne Abschluss (8 % zu 11 %). (Tab. 4.2, 5.1)

< GRAFIK >

Unter den Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden Schulen waren im Schuljahr 2019/20 16 % mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache (ausländischer und deutscher Staatsangehörigkeit) lag bei 39 %. In der Sekundarstufe II stellte diese Gruppe nur gut 27 % der Lernenden. Es überwog auch hier die Zahl der Mädchen (54 %). (Tab. 4.2)

Unter den 87 326 Schülerinnen und Schülern, die im Schuljahr 2019/20 eine berufliche Schule besuchten waren weniger Frauen als Männer (47 %). Unter den Absolventinnen und Absolventen der beruflichen Schulen lag der Frauenanteil in den letzten Jahren aber bei 50 % und mehr. Das lässt darauf schließen, dass junge Frauen auch ihre Berufsausbildung erfolgreicher, weil schneller durchlaufen als junge Männer. (Tab 6, 8)

Die Möglichkeiten der beruflichen Bildung werden von Frauen und Männer unterschiedlich genutzt. Im Schuljahr 2019/20 wählten wieder beide mehrheitlich die Ausbildung in der dualen Form an Berufsschulen. Von den Männern entschieden sich 69 % für diese Form der beruflichen Bildung, von den Frauen waren es (51 %). Für Frauen spielten die Berufsfachschulen eine größere Rolle als für Männer (19 % zu 13 %). Auch die Ausbildung an den Ausbildungsstätten des Gesundheitswesens, die nicht zu den beruflichen Schulen gehören, wurde ganz überwiegend von Frauen angenommen. Der Frauenanteil lag im Schuljahr 2019/20 insgesamt bei 72 %, in den Pflegeberufen sogar bei 78 %. (Tab. 7)

Die mehrheitlich von Frauen besuchte schulische Ausbildung ist gegenüber dem dualen System mit einigen Nachteilen verbunden: So bietet die betriebliche Ausbildung oft bessere Übergangschancen ins Erwerbsleben sowie eine tarifvertraglich geregelte Ausbildungsvergütung. In der schulischen Ausbildung fallen hingegen zum Teil noch Schulgebühren an.

Unter den Schülerinnen und Schülern der beruflichen Schulen waren 28 % mit nichtdeutscher Herkunftssprache. Für diese Jugendlichen hatten das duale System und die Berufsfachschulen ein etwas höheres Gewicht als für die Gruppe mit deutscher Herkunftssprache (82 % zu 74 %). Entsprechend geringer war der Anteil der Ausbildung an Fachschulen/Fachoberschulen etc. (18 % zu 26 %). Die jungen Frauen dieser Schülergruppe wurden wie ihre Mitschülerinnen deutscher Herkunftssprache zur Hälfte im dualen System der Berufsschulen ausgebildet. Die andere Hälfte absolvierte wiederum zu je 25 % die Ausbildung an Berufsfachschulen und Fachschulen/Fachoberschulen, während Schülerinnen mit deutscher Herkunftssprache sich zum größeren Teil für Fachschulen/Oberschulen entschieden (32 %). (Tab. 6, 7)

Auch bei der Wahl der Berufsfelder gehen Frauen und Männer meist getrennte Wege: Knapp die Hälfte der jungen Frauen an den beruflichen Schulen wurde im Bereich Wirtschaft und Verwaltung ausgebildet (48 %); weitere Schwerpunkte lagen in den Bereichen Gesundheit und Körperpflege (zusammen 25 %) sowie bei Ernährung und Hauswirtschaft (12 %). Bei den jungen Männern standen hingegen technische Berufe in den Bereichen Metall-, Elektro-, Bau- und Holztechnik am höchsten im Kurs (insg. 48 %), gefolgt von Wirtschaft und Verwaltung (30 %) sowie Ernährung und Hauswirtschaft mit 11 %. (Tab. 9)

Von den 2019 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen waren bei den Frauen 50 % und bei den Männern 60 % im Bereich Industrie und Handel angebunden. Bei den Männern schloss ein Drittel im Handwerk einen Ausbildungsvertrag ab; für Frauen waren noch vor dem Handwerk (13 %) vor allem die freien Berufe (26 %) von Bedeutung. 75 % der weiblichen Auszubildenden in den freien Berufen waren im Zuständigkeitsbereich der Ärzte- und Zahnärztekammern. Ausgebildet werden in diesem Bereich vor allem Medizinische(r) und Zahnmedizinische(r) Fachangestellte(r). (Tab. 11, 12)

Exkurs: Personal an Berliner Schulen

An den Berliner allgemeinbildenden und beruflichen Schulen stellten Frauen Anfang 2020 insgesamt 73 % des pädagogischen Personals; die Hälfte davon war an Grundschulen tätig; hier lag der Frauenanteil bei 82 %. Das männliche Personal verteilte sich hingegen gleichmäßiger auf die vier großen Schularten. Trotz des insgesamt hohen Frauenanteils beim pädagogischen Personal erreichte die Quote im Leitungsbereich erstmals im Jahr 2010 die 50 %-Marke. 2020 lag sie bei 60 %. Eine Geschlechterparität bei der höchsten Ebene, den Schulleitungen, wurde aber auch 2020 an Gymnasien (46 %) und beruflichen/zentral verwalteten Schulen (48 %) noch nicht ganz erreicht. (Tab. 13.1, 13.2)

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