Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

DEMOGRAFIE

1. Bevölkerung

Das Bevölkerungswachstum in Berlin hält an, zugleich wird die Stadt insgesamt jünger und vielfältiger. In der älteren Generation überwiegt weiterhin deutlich die Zahl der Frauen.

Ende 2016 lebten rund 3,58 Millionen Menschen in Berlin, darunter 1,82 Millionen Frauen (51 %). Mit steigendem Alter nimmt der Anteil der Frauen an der Bevölkerung zu: Bei den unter 65-Jährigen war das Zahlenverhältnis zwischen Frauen und Männern weitgehend ausgeglichen, in der Altersgruppe der über 65-Jährigen stellten Frauen bereits die Mehrheit (57 %). Noch deutlicher überwog ihr Anteil bei den über 75-Jährigen bzw. über 85-Jährigen mit 60 % bzw. 70 % (Tab. 3).

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Bevölkerung in Berlin um rund 55 Tausend Personen (+ 1,6 %) angewachsen. Das war die stärkste Zuwachsrate unter allen Bundesländern; nur Hamburg (+ 1,3 %) und Bremen (+ 1,1 %) konnten ähnlich starke Wachstumsraten verzeichnen. Der kräftige Anstieg resultierte zum einen aus einem Geburtenüberschuss von 7 036 Kindern, zum anderen aus einem Wanderungsgewinn von 54 148 Personen (Tab. 1, 2):

2016 konnte die Bundeshauptstadt einen Geburtenrekord verzeichnen: 41 087 Kinder kamen in Berlin zur Welt; das waren 3 057 mehr als im Vorjahr. Die Geburtenziffer lag bei 1,54 Kindern pro Frau – der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Damit lag Berlin knapp unter dem Bundesdurchschnitt (1,59 Kinder je Frau). Bei Berliner Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit fiel der Wert mit 1,38 Kindern pro Frau deutlich niedriger aus als bei jenen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (2,04 Kinder pro Frau). Bereits seit 2007 übersteigt in Berlin die Zahl der Geborenen die Zahl der Verstorbenen. 2016 ergab sich daraus ein Bevölkerungsgewinn von 7 036 Personen.

Der Wanderungsgewinn von rund 54 200 Personen beruhte ausschließlich auf dem Zuzug von rund 59 600 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit; die Zahl der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ging um rund 5 400 zurück. Dabei zog es insbesondere junge Erwachsene nach Berlin, während Ältere der Stadt eher den Rücken kehrten.

Dies alles führte erneut zu einer Verjüngung der Berliner Bevölkerung. 2016 waren Berlinerinnen und Berliner durchschnittlich 42 Jahre und 6 Monate alt und damit knapp 53 Tage jünger als noch ein Jahr zuvor. Das Durchschnittsalter der Berliner Frauen lag insgesamt um 2,5 Jahre über dem der Berliner Männer (43,8 Jahre zu 41,3 Jahre). Ausländische Staatsangehörige in Berlin waren im Schnitt fast acht Jahre jünger als deutsche Staatsangehörige (36,0 Jahre zu 43,9 Jahre). Auch fiel die Altersdifferenz zwischen ausländischen Männern und Frauen mit 1,0 Jahr deutlich geringer aus als bei deutschen Männern und Frauen, die im Schnitt 2,6 Jahre trennten (Tab. 3).

Die Bevölkerungsstatistik enthält auch Angaben zum Familienstand, für 2016 waren hierzu jedoch noch keine Daten verfügbar. Im Jahr 2015 waren in der Altersgruppe der über 19-jährigen Berlinerinnen und Berliner 40 % ledig und 42 % verheiratet. Frauen waren seltener ledig als Männer (36 % zu 45 %) und deutlich häufiger verwitwet als Männer (11 % zu 3 %). Letzteres ist auch darauf zurückzuführen, dass die Lebenserwartung von Frauen in Berlin um etwa fünf Jahre höher lag als für Männer (Tab. 4, 5).

Die Zahl der Eheschließungen war in Berlin lange Zeit rückläufig, in den letzten zehn Jahren hat das Heiraten jedoch wieder an Beliebtheit gewonnen. 2016 wurden fast ebenso viele Ehen geschlossen wie im Vorjahr (13 748).

Zugleich ist die Zahl der Ehescheidungen um 174 zurückgegangen (6 253). Die Scheidungsziffer ist zwar weiterhin hoch, seit einigen Jahren aber rückläufig; 2016 lag sie bundesweit bei 34,6 %, d. h., mehr als jede dritte Ehe wird wieder geschieden (Tab. 6).

Die Entscheidung für die eheliche Bindung fällt jedoch immer später im Leben: Das durchschnittliche Heiratsalter lediger Frauen lag 2016 bei 33,2 Jahren; Berliner Männer waren bei ihrer ersten Heirat im Schnitt bereits 35,3 Jahre alt (Tab. 6).

Der Anteil der Geburten, bei denen die Eltern nicht verheiratet waren, blieb in den letzten Jahren relativ konstant (2016: 50 %). Hingegen ist der Anteil der Geburten, bei denen mindestens ein Elternteil keine deutsche Staatsangehörigkeit besaß, das zweite Jahr in Folge deutlich gestiegen (+2,4 Prozentpunkte) und lag 2016 bei 39 %. 2014 betrug der Anteil noch 35 % (Tab. 7).

< GRAFIK >

2016 waren 83 % der Berliner Bevölkerung deutsche Staatsangehörige. Der Anteil der Berlinerinnen und Berliner mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte auf 16,7 % gestiegen. Die Frauenquote lag gut 3 Prozentpunkte unter der Quote der deutschen Bevölkerungsgruppe (48 % zu 51 %). Vor 25 Jahren betrug diese Differenz noch mehr als 7 Prozentpunkte. Zwischenzeitlich hatten sich die Quoten tendenziell angeglichen; seit 2012 ist die Zahl der ausländischen Männer allerdings jährlich stärker gestiegen als die der ausländischen Frauen, so dass deren Anteil bis 2016 wieder um 1,2 Prozentpunkte zurückging. Die Frauenquote der deutschen Bevölkerung blieb in den letzten Jahren hingegen nahezu konstant (Tab. 1).

Etwa zwei Drittel der Ausländerinnen und Ausländer kamen aus europäischen Staaten, davon über die Hälfte aus der Europäischen Union. Mit Abstand am stärksten vertreten war das Herkunftsland Türkei (14 %), gefolgt von Polen (8 %). Bei den meisten ausländischen Bevölkerungsgruppen überwog der Anteil der Männer leicht – bei den Staatsangehörigen des Vereinigten Königreichs sogar mit 62 %. Bei den russischen bzw. vietnamesischen Staatsangehörigen hingegen stellten Frauen mit 61 % bzw. 56 % die Mehrheit (Tab. 11).

Im Einwohnerregister werden die Bevölkerungszahlen auch nach dem Migrationshintergrund unterschieden. Demnach hatte Ende 2017 ein Drittel der Berliner Bürgerinnen und Bürger einen Migrationshintergrund; darunter rund 49 % Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich ihre Zahl um rund 55 000 auf 1,21 Millionen erhöht (+ 1,1 Prozentpunkte). In der Altersgruppe der unter 18-Jährigen hatte sogar nahezu die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund; davon wiederum besaß die überwiegende Mehrheit (rund 72 %) einen deutschen Pass – eine Folge der seit 2000 bestehenden Optionsregelung für Kinder ausländischer Eltern (Tab. 9).

Im Bezirk Mitte hatte über die Hälfte (52 %) der Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund; in den Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf waren es zwischen 45 % und 40 %. Für die Altersgruppe der unter 18-Jährigen ergaben sich in Mitte und Neukölln sogar Quoten von 74 % und 69 %. Der Frauenanteil in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund war in den Bezirken Mitte, Treptow-Köpenick und Lichtenberg mit je 47 % niedriger als im Durchschnitt (Tab. 10).

Hinweis: Nach dem Zensus 2011 waren die Bevölkerungszahlen für die Jahre 2011 bis 2013 neu zu berechnen. Die Ergebnisse der Rückrechnung können dem Report 2015 entnommen werden.

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