Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2016

EINKOMMEN

1. Einkommen und Verdienste

In den letzten Jahren sind die durchschnittlichen Einkommen (ohne Differenzierung nach Einkommensart) für beide Geschlechter gestiegen. Dennoch ist die Einkommenssituation für Männer nach wie vor deutlich besser als für Frauen. Nach Daten des Mikrozensus hatten in den mittleren Altersgruppen (35 bis 55 Jahre) 52,7 % der Männer, aber nur 43,9 % der Frauen ein Nettoeinkommen von über 1 500 Euro monatlich (2015). Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern. In den Altersgruppen der über 55-Jährigen befanden sich 45,1 % der männlichen und 32,2 % der weiblichen Bevölkerung in der Einkommenskategorie von mehr als 1 500 Euro monatlich. Der Anteil von Personen mit einem Einkommen von mehr als 1 500 im Monat ist bei beiden Geschlechtern im Vergleich zum Vorjahr abermals gestiegen. Mehr als 2 600 Euro monatliches Nettoeinkommen hatten 11,8 % der Männer und 5,9 % der Frauen.

Die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede der Erwerbstätigen entsprechen in etwa denen der Gesamtbevölkerung. Im unteren Bereich mit einem monatlichen Nettoeinkommen von bis zu 1 100 Euro lagen laut Mikrozensus 2015 27,3 % der erwerbstätigen Frauen, aber nur 22,4 % der erwerbstätigen Männer. Bei beiden Geschlechtern ist dieser Anteil gegenüber dem Vorjahr gesunken. Höhere Einkommen von über 2 000 Euro erzielten 35,0 % der Männer, aber nur 24,8 % der Frauen. In dieser Kategorie ist der Anteil bei beiden Geschlechtern gegenüber dem Vorjahr gestiegen, insbesondere bei den Frauen.

Ebenfalls deutlich sind die Differenzen beim durchschnittlichen Bruttoverdienst der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Hier kommt vor allem zum Tragen, dass Frauen häufiger in Branchen mit geringerem Durchschnittseinkommen tätig sind und dort vielfach auch in Berufen oder Positionen, die geringer entlohnt werden.

Insgesamt verdienten sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen 2015 durchschnittlich 2 710 Euro im Monat und lagen damit um 20,0 % unter den Monatsverdiensten der Männer mit 3 388 Euro. Dieser Verdienstabstand ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Neben der geringeren Entlohnung wirkt sich hier die stärkere Verbreitung von Teilzeitarbeit unter Frauen aus. Besonders große geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es bei den Sonderzahlungen. Diese sind für Frauen im Durchschnitt auf das Jahr bezogen um 38,1 % geringer als für Männer; in der am höchsten bezahlten Leistungsgruppe 1 sogar um 56,2 %. Der Verdienstabstand bei den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten betrug 2015 für die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 12,4 %. In den höheren Einkommenskategorien ist dieser Verdienstabstand größer als in den unteren. Während er in der höchsten Einkommensgruppe 18,5 % beträgt, sind es in den untersten Einkommensgruppen nur ein bis zwei Prozent. Hinzu kommt, dass 14,5 % der männlichen, aber nur 9,3 % der weiblichen Beschäftigten zur Leistungsgruppe 1 (höchste Einkommensgruppe) gehörten.

< GRAFIK >

Die Höhe der Durchschnittseinkommen unterscheidet sich erheblich nach Branchen und Wirtschaftsbereichen. So verdienten 2015 die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Wirtschaftsbereichen Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie Energieversorgung durchschnittlich zwischen 48 000 und mehr als 60 000 Euro brutto pro Jahr. In den Bereichen Gesundheit, Soziales, Erziehung und Unterricht sowie Dienstleistungen und Handel lagen die Verdienste dagegen im Durchschnitt nur zwischen 32 000 und 41 000 Euro; Schlusslicht war das Gastgewerbe mit lediglich rund 19 200 Euro. In allen Branchen sind die durchschnittlichen Jahreseinkommen gegenüber dem Vorjahr angestiegenen. Der Anstieg war jedoch in den Hochlohnbranchen stärker als in Branchen mit mittleren oder niedrigen Entgelten.

Frauen sind vor allem in den Bereichen Gesundheit und Soziales sowie Erziehung und Unterricht dominierend. Vergleichsweise gering ist ihr Anteil in den Branchen mit hohen Durchschnittsverdiensten. Eine Ausnahme bildet der Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit einem Frauenanteil von 59,3 %. Aber auch hier verdienten Frauen ca. 15,1 % pro Stunde, 22,4 % pro Monat bzw. Jahr und 35,4 % bei den jährlichen Sonderzahlungen weniger als Männer (2015).

Die höchsten branchenspezifischen Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen sind bei den freiberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen zu verzeichnen. In diesem Wirtschaftsbereich verdienten Frauen 2015 knapp 25,5 % pro Stunde und knapp 31,4 % pro Monat bzw. Jahr weniger als Männer. Die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern sind in Branchen mit hohem Einkommensniveau größer als in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau. So lagen die Bruttostundenverdienste von Frauen im Bereich der freiberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie der Energieversorgung um rund ein Viertel unter denen der Männer, während sie im Gastgewerbe nur um rund 8 % unter denen der Männer lagen. Der einzige Wirtschaftsbereich, in dem Frauen durchschnittlich etwas mehr verdienten als Männer, ist der Bereich Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung.

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