Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2016

ERWERBSLEBEN

1. Erwerbsbeteiligung

Die Teilnahme der Berliner Bevölkerung am Erwerbsleben findet ihren Ausdruck in der Erwerbsquote; diese lag 2015 im Durchschnitt der erwerbsfähigen Bevölkerung (15 bis 65 Jahre) für Männer bei 80,1 % und für Frauen bei 72,3 %. Von 1991 bis etwa 2005 sank die Erwerbsquote, bei Männern stärker als bei Frauen. Danach war ein moderater, aber stetiger Anstieg zu verzeichnen, der sich jedoch 2015 erstmals nicht fortgesetzt hat. Bei den Frauen ist die Erwerbsquote gegenüber dem Vorjahr sogar leicht zurückgegangen. Die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung ist im mittleren Alter (35 bis 45 Jahre) am höchsten: 2015 lagen die Erwerbsquoten für Männer dieser Altersgruppe bei 91,4 % und für Frauen bei 82,8 % – beide Werte liegen jeweils leicht unter dem Vorjahresniveau.

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Bedingt durch den Anstieg der Erwerbslosigkeit in den 1990er Jahren und der ersten Hälfte der 2000er Jahre war der Anteil der tatsächlich erwerbstätigen Bevölkerung – erfasst in der Erwerbstätigenquote (Erwerbsquote minus Erwerbslosenquote) – bis etwa 2005 erheblich gesunken. Diese Erwerbstätigenquote hat sich in den letzten Jahren wieder spürbar erhöht und betrug 2015 für die männliche Bevölkerung 71,4 % und 66,3 % für die weibliche Bevölkerung.

In Berlin sind Frauen mit Kindern in der Mehrzahl erwerbstätig: bei Ehepaaren mit Kindern unter 18 Jahren standen in 56,0 % der Fälle beide Partner im Beruf; für Lebensgemeinschaften lag die Quote bei 73,5 % (2015). Die Erwerbsbeteiligung von verheirateten Müttern ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen, während die Erwerbsbeteiligung von Müttern in Lebensgemeinschaften angestiegen ist. Alleinerziehende waren zu 66,3 % erwerbstätig. Diese Quote ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Rund 88 % der erwerbstätigen Alleinerziehenden waren Frauen.

Mit steigender Kinderzahl wächst auch der Anteil der Familien, in denen nur ein Elternteil berufstätig ist. Aber erst bei Paaren mit drei und mehr Kindern wandelt sich das Bild grundlegend. Bei Verheirateten mit drei und mehr Kindern sind nur in 34,4 % der Fälle beide Partner berufstätig. Gleichzeitig ist in dieser Gruppe auch der Anteil derjenigen Familien, in denen beide Partner arbeitslos sind, mit fast 25 % sehr hoch.

Insbesondere seit Beginn der 2000er Jahre wird ein Wandel in der Struktur der Erwerbsverhältnisse deutlich. So ist zum einen die Zahl der befristeten Arbeitsverträge für abhängig Erwerbstätige bis 2010 kräftig gestiegen. Danach setzte ein tendenzieller Rückgang ein. 2015 war jedoch wieder ein Anstieg der befristet Beschäftigten zu verzeichnen. 12,5 % der abhängig erwerbstätigen Männer und 12,0 % der abhängig erwerbstätigen Frauen hatten 2015 befristete Arbeitsverträge.

Die Zahl geringfügig Beschäftigter ist im Vergleich zum Vorjahr etwas angestiegen. 2015 waren einer Hochrechnung von Mikrozensusdaten des Statistischen Bundesamtes zufolge 134,5¹ Tsd. Personen in Berlin geringfügig beschäftigt; 53,3 % davon waren Frauen.

Kontinuierlich angestiegen ist seit 1991 auch die Zahl der selbständig Erwerbstätigen. Sie hat sich seither mehr als verdoppelt: von 127,5 Tsd. im Jahr 1991 auf 270,9 Tsd. im Jahr 2015. Obwohl der Anstieg bei den Frauen stärker war als bei den Männern, sind weitaus mehr Männer selbständig erwerbstätig. Der Frauenanteil lag 2015 bei 36,7 %.

Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund nehmen in geringerem Maß am Erwerbsleben teil als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Insbesondere die Erwerbstätigenquote, also der Anteil derjenigen, die aktuell erwerbstätig oder in Ausbildung sind, ist bei Migrantinnen und Migranten erheblich geringer: So ergab sich für die Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren bei Deutschen ohne Migrationshintergrund im Jahr 2015 eine Erwerbstätigenquote von 74,6 %, bei Deutschen mit Migrationshintergrund von 55,7 % und bei Ausländer/-innen von 55,3 %. Der Einfluss des Migrationsstatus auf die Erwerbstätigkeit ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Vor allem in mittleren Altersgruppen ist die Geschlechterdifferenz in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, insbesondere bei Ausländer/-innen, relativ hoch. Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund beträgt die Geschlechterdifferenz bei der Erwerbsstätigkeit nur noch 2,8 Prozentpunkte, bei Deutschen mit Migrationshintergrund 4,2 und bei Ausländern/-innen 15,0 Prozentpunkte.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist die Hauptform der Erwerbstätigkeit und Fundament des sozialen Sicherungssystems. Seit 2005 steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wieder an, nachdem sie zuvor gesunken war. In Berlin sind mehr Frauen als Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 2015 und 2016 betrug der Frauenanteil 51,0 %. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil Teilzeitbeschäftigter kontinuierlich an, während der Anteil Vollzeitbeschäftigter stetig zurückging. Dieser Trend hat sich 2015 und 2016 fortgesetzt: 42,8 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und 21,6 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer arbeiteten 2016 in Teilzeit.

1 Geringfügige Beschäftigung wird zum einen durch den Mikrozensus (Selbstauskünfte durch Befragung), zum anderen durch die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit bzw. die Minijobzentrale bei der Deutschen Rentenversicherung ausgewiesen. Aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden und Erhebungszeiträume weichen die Mikrozensusdaten von denen der Beschäftigtenstatistik ab. Vgl. dazu u.a. Th. Körner, K. Puch: Der Mikrozensus im Kontext anderer Arbeitsmarktstatistiken Ergebnisunterschiede und ihre Hintergründe. Statistisches Bundesamt Wirtschaft und Statistik 6/2009.

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