Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2019

ERWERBSLEBEN

1. Erwerbsbeteiligung

Erwerbstätigkeit ist Voraussetzung für wirtschaftliche und soziale Selbständigkeit und damit für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Berlin ist hoch, aber geringer als die der Männer.

Die Teilnahme der Berliner Bevölkerung am Erwerbsleben findet ihren Ausdruck in der Erwerbsquote; diese lag 2019 im Durchschnitt der erwerbsfähigen Bevölkerung (15 – 65 Jahre) für Männer bei 82,9 % und für Frauen bei 75,6 %. Seit 2005 ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. Die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung ist im mittleren Alter (35 – 45 Jahre) am höchsten: 2019 lagen die Erwerbsquoten für Männer dieser Altersgruppe bei 92,9 % und für Frauen bei 84 %. (Tab. 3)

< GRAFIK >

Die Erwerbstätigenquote betrug 2019 für die männliche Bevölkerung (im erwerbsfähigen Alter) 78 %, für die weibliche Bevölkerung 71,9 %. (Tab. 1)

In Berlin sind Frauen mit Kindern in der Mehrzahl erwerbstätig: bei Ehepaaren mit Kindern unter 18 Jahren standen in 64,6 % der Fälle beide Partner im Beruf; für Lebensgemeinschaften lag die Quote bei 76,1 % (2019). Der Anteil der Ehepaare, bei denen beide erwerbstätig sind, ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Gleiches trifft für die Erwerbsbeteiligung Alleinerziehender zu. Unter den Alleinerziehenden waren 2019 61,7 % erwerbstätige Frauen. (Tab. 5)

Mit steigender Kinderzahl wächst auch der Anteil der Familien, in denen nur ein Elternteil berufstätig ist. Aber erst bei Paaren mit drei und mehr Kindern wandelt sich das Bild grundlegend. Bei Verheirateten mit drei und mehr Kindern waren 2019 in 43,5 % der Fälle beide Partner berufstätig. Ihr Anteil war gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Gleichzeitig war in dieser Gruppe im Jahr 2018 auch der Anteil derjenigen Familien, in denen beide Partner arbeitslos sind, mit 21,9 % hoch. (Tab. 5)

Seit Beginn der 2000er Jahre bis zum Jahr 2010 ist die Zahl der befristeten Arbeitsverträge für weibliche und männliche abhängig Erwerbstätige insgesamt gestiegen. Seit 2010 sinkt die Anzahl jedoch wieder. 10,6 % der abhängig erwerbstätigen Männer und 10,4 % der abhängig erwerbstätigen Frauen hatten 2019 befristete Arbeitsverträge – in beiden Fällen eine leichte Verringerung gegenüber dem Vorjahr. (Tab. 6)

Seit 1991 bis 2015 stieg kontinuierlich die Zahl der selbständig Erwerbstätigen an. Sie hat sich seither mehr als verdoppelt: von 127,5 Tausend im Jahr 1991 auf 270,9 Tausend im Jahr 2015. Seit 2016 ging die Zahl der selbständig Erwerbstätigen insgesamt leicht zurück auf 267,3 Tausend im Jahr 2019. Der Frauenanteil stieg gleichzeitig insgesamt an und betrug 37,5 %. (Tab. 7)

Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund nehmen in geringerem Maß am Erwerbsleben teil als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Insbesondere die Erwerbstätigenquote, also der Anteil derjenigen, die aktuell erwerbstätig oder in Ausbildung sind, ist bei Migrantinnen und Migranten erheblich geringer: so ergab sich für die Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren bei Deutschen ohne Migrationshintergrund im Jahr 2019 eine Erwerbstätigenquote von 79,7 %, bei Deutschen mit Migrationshintergrund von 65,6 % und bei Ausländern von 66,7 %. Der Einfluss des Migrationsstatus auf die Erwerbstätigkeit ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Vor allem in mittleren Altersgruppen ist die Geschlechterdifferenz in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, insbesondere bei Ausländer/inne/n, relativ hoch. Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund betrug die Geschlechterdifferenz bei der Erwerbstätigenquote 2019 immer noch 2,7 Prozentpunkte. Bei Deutschen mit Migrationshintergrund betrug sie 5,4 Prozentpunkte, bei Ausländer/inne/n sogar 16,4 Prozentpunkte. (Tab. 3)

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist die Hauptform der Erwerbstätigkeit und Fundament des sozialen Sicherungssystems. Seit 2005 steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an. In Berlin stellen Frauen die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 2019 waren es 49,5 %. Im Zeitraum 2000 – 2019 stieg der Anteil Teilzeitbeschäftigter kontinuierlich an. Dieser Trend hat sich fortgesetzt: 44,6 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und 22,9 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer arbeiteten 2019 in Teilzeit. (Tab. 8, 9)

Die Steigerung der Erwerbsbeteiligung geht einher mit einem kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosenquoten in Berlin seit 2005. Auch 2019 sind die Arbeitslosenquoten für beide Geschlechter wiederum gesunken. Sie betrugen für die abhängig zivilen Erwerbspersonen 10 % (Männer) bzw. 8,1 % (Frauen). (Tab. 10)

DOWNLOADS

>  PDF | EXCEL