Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

ERWERBSLEBEN

1. Erwerbsbeteiligung

Die Teilnahme der Berliner Bevölkerung am Erwerbsleben findet ihren Ausdruck in der Erwerbsquote; diese lag 2016 im Durchschnitt der erwerbsfähigen Bevölkerung (15 – 65 Jahre) für Männer bei 81 % und für Frauen bei 74 %. Von 1991 bis etwa 2005 sank die Erwerbsquote, bei Männern stärker als bei Frauen. Danach war ein moderater, aber stetiger Anstieg zu verzeichnen. Die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung ist im mittleren Alter (35 – 45 Jahre) am höchsten: 2016 lagen die Erwerbsquoten für Männer dieser Altersgruppe bei 92,6 % und für Frauen bei 83,4 %.

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Bedingt durch den Anstieg der Erwerbslosigkeit in den 1990er und der ersten Hälfte der 2000er Jahre war der Anteil der tatsächlich erwerbstätigen Bevölkerung – erfasst in der Erwerbstätigenquote (Erwerbsquote minus Erwerbslosenquote) – bis etwa 2005 erheblich gesunken. Diese Erwerbstätigenquote hat sich in den letzten Jahren wieder spürbar erhöht und betrug 2016 für die männliche Bevölkerung 74,0 % und 68,7 % für die weibliche Bevölkerung. Diese Werte haben sich gegenüber dem Vorjahr nochmals erhöht.

In Berlin sind Frauen mit Kindern in der Mehrzahl erwerbstätig: bei Ehepaaren mit Kindern unter 18 Jahren standen in 61 % der Fälle beide Partner im Beruf; für Lebensgemeinschaften lag die Quote bei 72,1 % (2016). Die Erwerbstätigkeit von verheirateten Müttern ist damit gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte erheblich angestiegen. Gleiches trifft für die Erwerbsbeteiligung Alleinerziehender zu. 2016 waren 71,2 % von ihnen erwerbstätig. Rund 88 % der erwerbstätigen Alleinerziehenden waren Frauen.

Mit steigender Kinderzahl wächst auch der Anteil der Familien, in denen nur ein Elternteil berufstätig ist. Aber erst bei Paaren mit drei und mehr Kindern wandelt sich das Bild grundlegend. Bei Verheirateten mit drei und mehr Kindern sind in 40,9 % der Fälle beide Partner berufstätig. Gleichzeitig ist in dieser Gruppe auch der Anteil derjenigen Familien, in denen beide Partner arbeitslos sind, mit 21,3 % hoch.

Insbesondere seit Beginn der 2000er Jahre wird ein Wandel in der Struktur der Erwerbsverhältnisse deutlich. So ist zum einen die Zahl der befristeten Arbeitsverträge für abhängig Erwerbstätige insgesamt gestiegen. 11,8 % der abhängig erwerbstätigen Männer und 11,4 % der abhängig erwerbstätigen Frauen hatten 2016 befristete Arbeitsverträge.

Kontinuierlich angestiegen ist seit 1991 die Zahl der selbständig Erwerbstätigen. Sie hat sich seither mehr als verdoppelt: von 127,5 Tausend im Jahr 1991 auf 270,9 Tausend im Jahr 2015. 2016 sank erstmals die Zahl der selbständig Erwerbstätigen leicht auf 267,9 Tausend. Der Frauenanteil liegt unverändert bei 36,6 %.

Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund nehmen in geringerem Maß am Erwerbsleben teil als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Insbesondere die Erwerbstätigenquote, also der Anteil derjenigen, die aktuell erwerbstätig oder in Ausbildung sind, ist bei Personen mit Migrationshintergrund erheblich geringer: So ergab sich für die Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren bei Deutschen ohne Migrationshintergrund im Jahr 2016 eine Erwerbstätigenquote von 77,3 %, bei Deutschen mit Migrationshintergrund von 56,7 % und bei ausländischen Personen von 57,1 %. Der Einfluss des Migrationsstatus auf die Erwerbstätigkeit ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Vor allem in mittleren Altersgruppen ist die Geschlechterdifferenz in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, insbesondere bei den Ausländerinnen und Ausländern, relativ hoch. Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund betrug die Geschlechterdifferenz bei der Erwerbstätigkeit 2016 nur noch 2,2 Prozentpunkte und hat sich damit erneut reduziert. Bei Deutschen mit Migrationshintergrund und bei Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist die Geschlechterdifferenz gegenüber dem Vorjahr größer geworden und beträgt 6,1 bzw. 17,0 Prozentpunkte.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist die Hauptform der Erwerbstätigkeit und Fundament des sozialen Sicherungssystems. Seit 2005 steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wieder an, nachdem sie zuvor gesunken war. In Berlin stellen Frauen die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (50,2 %, 2017). Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil Teilzeitbeschäftigter kontinuierlich an, während der Anteil Vollzeitbeschäftigter stetig zurückging. Dieser Trend hat sich 2017 fortgesetzt: 43,4 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und 22,2 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer arbeiteten 2017 in Teilzeit.

Die Steigerung der Erwerbsbeteiligung geht einher mit einem kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosenquoten in Berlin seit 2005. Auch 2017 sind die Arbeitslosenquoten für beide Geschlechter wiederum gesunken. Sie betrugen für die abhängig zivilen Erwerbspersonen 9,7 % (Männer) bzw. 8,2 % (Frauen).

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