Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

ERWERBSLEBEN

2. Arbeitszeit

Die Mehrheit der Erwerbstätigen in Berlin ist vollzeitbeschäftigt, jedoch nimmt die Bedeutung von Teilzeitarbeit seit längerem zu. Im Jahr 2016 betrug laut Mikrozensus der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen 36,7 % bei den Frauen und 18,4 % bei den Männern (alle Arten von Erwerbstätigkeit inkl. Selbständige, Beamtinnen und Beamte u.a.). Besonders ausgeprägt ist Teilzeitbeschäftigung unter Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund (Deutsche mit Migrationshintergrund und ausländische Personen): 45,0 % bei den Frauen und 26,0 % bei den Männern (2016).

Auch unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat die Zahl der Teilzeitbeschäftigten seit den 1990er Jahren stetig zugenommen. Zwischen 2000 und 2017 ist ihr Anteil von 17,9 % auf 32,8 % gestiegen. Mit 66,4 % stellen Frauen nach wie vor die Mehrheit sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in Teilzeit. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Umfang der Erwerbsarbeit sind mitverantwortlich für die Unterschiede bei den Monats- bzw. Jahresverdiensten von Frauen und Männern.

Laut Mikrozensus ist Teilzeiterwerbstätigkeit für Männer vor allem in jüngeren Jahren von Bedeutung: In der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen waren 2016 fast 40 % der Männer teilzeitbeschäftigt, bei den 25- bis 35-Jährigen waren es mit 19,5 % nur halb so viele. Die Teilzeitquote der erwerbstätigen Frauen variiert weniger mit dem Alter. Sie lag in allen Altersgruppen bei jeweils deutlich über 30 % und hat ihren Höhepunkt in der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen mit 43,0 % und der 35- bis 45-Jährigen mit 39,3 %. Am geringsten ist die Teilzeitquote der 45- bis 55-jährigen Männer. Sie beträgt 11,7 % und ist gegenüber dem Vorjahr weiter zurückgegangen.

< GRAFIK >

Bei beiden Geschlechtern ist kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Anteil der Teilzeitbeschäftigung und dem beruflichen Qualifikationsniveau erkennbar. Jedoch arbeiten Frauen mit Hoch- und Fachschulabschlüssen etwas häufiger in Vollzeit – jeweils mehr als 70 % – als Frauen mit Berufsausbildung (2016). Aber auch bei Personen mit akademischer Bildung ist die Teilzeitquote von Frauen doppelt so hoch wie die der Männer. In der Gruppe der Personen ohne Berufsausbildung findet sich – ebenfalls bei beiden Geschlechtern – ein hoher Anteil an Teilzeitbeschäftigung, der jedoch stark durch in Ausbildung/Studium befindliche oder einen Ausbildungs- bzw. Studienplatz suchende Personen beeinflusst wird.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen spielt unfreiwillige Teilzeitarbeit in Berlin eine in ihrer Bedeutung zwar abnehmende, aber immer noch relevante Rolle. Keine Vollzeitstelle gefunden zu haben wurde 2016 von 15,2 % der Frauen und 21,9 % der Männer als Grund für Teilzeitarbeit genannt. Auch Aus- und Fortbildung wird häufig mit Teilzeitarbeit verbunden. Das war im Jahr 2016 bei jeweils 14,0 % der in Teilzeit arbeitenden Frauen und 25,5 % der Männer der Fall. Die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen spielt nur bei Frauen eine Rolle als Grund für Teilzeitarbeit. 19,3 % der Frauen gab Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen als Grund an, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Bei den Männern ist diese Antwortoption statistisch nicht nachweisbar. Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind wiederum sowohl für Frauen als auch für Männer ein wichtiger Grund für Teilzeiterwerbstätigkeit.

Zwischen 1991 und 2016 haben sich die individuellen Wochenarbeitszeiten diversifiziert. Die Anteile der Erwerbstätigen mit Wochenarbeitszeiten unter 10 Stunden sowie derjenigen mit Arbeitszeiten unter 21 Wochenstunden sind insgesamt angestiegen. Sie haben sich zwischen 1991 und 2016 für Männer von 3,4 % auf 11,6 % und für Frauen von 12,0 % auf 17,4 % erhöht. In den letzten Jahren stiegen sie jedoch nicht weiter an bzw. gingen 2016 sogar zurück. In den Gruppen mit längeren Arbeitszeiten sind Frauen in geringerem Maß vertreten. Der Anteil derjenigen mit wöchentlichen Arbeitszeiten von mehr als 41 Stunden stagniert bei den Frauen bei rund 10 %, während er bei den Männern in den letzten Jahren leicht rückläufig war und 2016 rund 18,8 % betrug.

Generell lässt sich feststellen: je höher die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit, desto geringer der Frauenanteil. In der Gruppe der Erwerbstätigen mit einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41 und mehr Stunden betrug 2016 der Frauenanteil 33,0 %, in der Gruppe mit wöchentlichen Arbeitszeiten von 10 bis unter 20 Stunden 58,5 %.

DOWNLOADS

>  PDF | EXCEL