Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2016

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

1. Gesundheit

Gesundheit steht in enger Beziehung zur sozialen Lage und den Lebensumständen der Menschen. Zwischen Männern und Frauen gibt es in dieser Hinsicht deutliche Unterschiede mit entsprechenden Folgen für ihre Gesundheit. Der Gesundheitszustand hängt zudem mit den unterschiedlichen biologischen Voraussetzungen von Männern und Frauen zusammen, was eine geschlechterspezifische Sicht bei Diagnose, Vorsorge und Therapie erfordert.

Kernindikator für den Gesundheitszustand ist die durchschnittliche Lebenserwartung, die sich laufend erhöht hat und für Frauen zurzeit in Berlin um 5 Jahre höher liegt als für Männer. Fachleute führen dies auch auf die Unterschiede im Gesundheitsbewusstsein und -verhalten der Geschlechter zurück. Männer gehen im Allgemeinen größere Gesundheitsrisiken ein als Frauen. Dazu gehören z. B. höherer Tabakkonsum (2013 waren 25 % der Männer und 17 % der Frauen Raucher bzw. Raucherinnen) und stärkeres Übergewicht (gemäß Body-Mass-Index waren 62 % der Männer und 43 % der Frauen übergewichtig). Auch Todesfälle durch Alkoholmissbrauch oder infolge eines Unfalls sowie Suizid kommen bei Männern häufiger vor (Ergebnisse einer Zusatzbefragung des Mikrozensus in mehrjährigen Abständen, zuletzt 2013).

Die häufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt – für Frauen wie für Männer – waren Erkrankungen des Kreislaufsystems (13 % bzw. 17 %) sowie Neubildungen, bei denen es sich ganz überwiegend um bösartige Neubildungen handelt (jeweils 12 %).

< GRAFIK >

Mit dem Alter der Patientinnen und Patienten nimmt der Anteil der oben genannten Diagnosen zu. So wurden in der Altersgruppe der über 45- bis 75-Jährigen 18 % der Frauen und 16 % der Männer wegen bösartiger Neubildungen stationär behandelt. Im Alter von über 65 Jahren stehen Kreislauferkrankungen im Vordergrund (Frauen 21 % Männer 25 %). Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um Krankheiten des Herzens bzw. der Herzkranzgefäße.

In jüngeren Jahren (Altersgruppen 15 bis 45 Jahre) entfällt der höchste Anteil auf den Diagnosebereich psychische Probleme und Verhaltensstörungen (Frauen: 15 %; Männer: 19 %).

Krankheiten des Kreislaufsystems sowie bösartige Neubildungen gehörten für beide Geschlechter auch zu den Haupttodesursachen; bei Männern betrifft das jeweils 29 % der Todesfälle, bei Frauen stehen Krankheiten des Kreislaufsystems im Vordergrund (35 % bzw. 25 %).

2015 wurden 8 494 Schwangerschaftsabbrüche von Frauen mit Wohnsitz in Berlin registriert; das sind 149 Eingriffe weniger als im Vorjahr. Damit setzte sich der seit 2010 festzustellende Rückgang der Zahl der Schwangerschaftsabbrüche weiter fort. Die Quote für 1 000 Frauen im Alter von 15 bis unter 45 Jahren liegt mit 12 % nochmals unter dem Wert des Vorjahres (12,7 %). In der Altersgruppe der unter 18-Jährigen haben 200 Frauen Kinder zu Welt gebracht und 240 haben die Schwangerschaft beendet.

Die Schwangerschaftsabbrüche erfolgten nahezu ausschließlich nach der Beratungsregelung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen (95 %). Die meisten Frauen waren zum Zeitpunkt des Eingriffs ledig (62 %). 42 % der Frauen hatten noch keine Kinder geboren. Im Alter von unter 25 Jahren überwiegt die Zahl der Frauen ohne Kinder; in der Altersgruppe der 25- bis unter 35-Jährigen hatte bereits über die Hälfte der Frauen ein Kind oder mehrere Kinder (54 %).

349 437 Personen waren 2015 in Berlin als Schwerbehinderte amtlich anerkannt. Das waren etwa 10 % der Bevölkerung. In der Altersgruppe von 65 und mehr Jahren lagen die Quoten für Frauen und Männer jeweils bei 29 %. Es handelte sich überwiegend um körperliche, meist krankheitsbedingte Behinderungen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen behinderter Menschen gehen oft mit Nachteilen bezüglich Bildungsstand, Erwerbsbeteiligung und Einkommen einher, die für Frauen stärker ausgeprägt sind als für Männer.

Im Dezember 2015 bezogen 74 458 Frauen und 41 966 Männer in Berlin Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Pflegequote der Bevölkerung lag für Berlin insgesamt weiterhin bei 3,3 %. Frauen nahmen vor allem im höheren Alter deutlich häufiger als Männer die gesetzliche Pflege in Anspruch. In der Altersgruppe von 85 und mehr Jahren lag die Pflegequote für Frauen bei rund 54 % und für Männer bei rund 36 %.

Frauen wurden auch in höherem Maße als Männer stationär betreut (2015: 27 % zu 20 %). Die Mehrzahl der pflegebedürftigen Männer erhielt ausschließlich Pflegegeld (56 %), wurde also zuhause, in der Regel durch Familienmitglieder, versorgt. Von den Frauen waren dies nur 46 %.

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