Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

1. Gesundheit

Gesundheit steht in enger Beziehung zur sozialen Lage und den Lebensumständen der Menschen. Zwischen Frauen und Männern bestehen diesbezüglich weiterhin deutliche Differenzen, bspw. bei den Arbeitsbedingungen oder der familiären Einbindung. Hinzu kommt, dass Frauen und Männer – unter der Wirkung soziokulturell geprägter Geschlechterrollen – verschieden mit Krankheit und Gesundheit umgehen. Sowohl bei der gesundheitsbezogenen Wahrnehmung und Kommunikation als auch beim Gesundheitsverhalten lassen sich Geschlechterunterschiede feststellen. Nicht zuletzt haben biologische Unterschiede Einfluss auf die Gesundheit von Männern und Frauen.

All diese Faktoren erfordern eine geschlechtersensible Sicht bei Forschung, Vorsorge, Diagnose und Therapie. Dennoch existieren in diesen Feldern weiterhin geschlechtsbezogene Vorurteile und Fehler (Gender Bias). Zudem krankt das Gesundheitssystem selbst an einem unausgewogenen Geschlechterverhältnis: Obwohl Frauen die Mehrheit der Beschäftigten stellen, sind sie in den Leitungs- und Entscheidungspositionen des Gesundheitswesens stark unterrepräsentiert.

Kernindikator für den Gesundheitszustand ist die durchschnittliche Lebenserwartung, die sich laufend erhöht hat und 2016 in Berlin für Frauen um über fünf Jahre höher lag als für Männer. Während die Lebenserwartung für 2016 in Berlin geborene Mädchen dem Bundesdurchschnitt entsprach (83,2 Jahre), lag sie für neugeborene Berliner Jungen rund vier Monate darunter (77,9 zu 78,3 Jahre). In den letzten Jahren ist die Lebenserwartung für Männer meist stärker gestiegen als für Frauen (Kap. 1.1, Tab. 5).

Dass Frauen älter werden als Männer, wird u.a. auf die Unterschiede im Gesundheitsbewusstsein und -verhalten der Geschlechter zurückgeführt. So gehen Männer allgemein größere Gesundheitsrisiken ein, bspw. rauchen sie häufiger als Frauen (25 % zu 17 %) und sind häufiger übergewichtig (62 % zu 43 %). Dies ergab eine Zusatzbefragung des Mikrozensus, die in mehrjährigen Abständen durchgeführt wird, zuletzt 2013 (Tab. 1).

Zudem nehmen Frauen häufiger als Männer kassenfinanzierte Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch wie bspw. den Gesundheits-Check-Up (66 % zu 56 %). Auch Vorsorgeuntersuchungen zur Erkennung geschlechtsspezifischer Krebserkrankungen nahmen etwa die Hälfte der Frauen, aber nur ein Viertel der Männer in Anspruch (Tab. 2, 3).

Die beiden häufigsten Ursachen für einen Krankenhausaufenthalt im Jahr 2016 waren für Frauen wie für Männer Erkrankungen des Kreislaufsystems (13 % zu 17 %) sowie Neubildungen (jeweils 12 %), bei denen es sich ganz überwiegend um bösartige Neubildungen handelte. Allerdings sind die Gründe für eine Krankenhauseinweisung bei beiden Geschlechtern stark altersabhängig.

< GRAFIK >

In jüngeren Jahren (15 bis 44 Jahre) waren sowohl für Frauen als auch für Männer psychische Probleme und Verhaltensstörungen der häufigste Anlass für eine stationäre Behandlung (14 % zu 18 %). Bei den Frauen dominierten im mittleren Alter (45 bis 64 Jahre) Neubildungen (18 %) und erst im höheren Alter (über 64 Jahre) Erkrankungen des Kreislaufsystems (21 %). Letztere standen bei den Männern bereits im mittleren Alter (18 %) und noch häufiger im höheren Alter (25 %) im Vordergrund (Tab. 5).

Krankheiten des Kreislaufsystems sowie bösartige Neubildungen gehörten für beide Geschlechter auch zu den Haupttodesursachen. 2015 betraf dies bei den Männern jeweils 29 % der Todesfälle. Bei Frauen waren Krankheiten des Kreislaufsystems jedoch häufiger (35 %) als bösartige Neubildungen (25 %) die Todesursache (Tab. 16).

2016 wurden 8 871 Schwangerschaftsabbrüche von Frauen mit Wohnsitz in Berlin registriert; das waren 377 Eingriffe mehr als im Vorjahr. Zwar ist die absolute Zahl der Abbrüche erstmals seit 2010 wieder gestiegen; allerdings lag die Quote der Abbrüche pro 1 000 Frauen (im Alter von 15 bis unter 45 Jahren) unverändert auf dem Wert des Vorjahres (12 %). Die Schwangerschaftsabbrüche erfolgten nahezu ausschließlich nach der Beratungsregelung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen (94 %). Die Mehrheit der Frauen (57 %) hatte zum Zeitpunkt des Eingriffs bereits mindestens ein Kind (Tab. 6, 7).

Über ein Viertel (27 %) der Entbindungen in Berliner Krankenhäusern erfolgte 2016 per Kaiserschnitt. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Kaiserschnittrate nahezu verdoppelt; erst seit drei Jahren ist sie wieder leicht rückläufig. Allerdings lag die Quote in Berlin auch 2016 weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 31 % (Tab. 8).

2015 lebten in Berlin 349 437 Personen mit einer amtlich anerkannten Schwerbehinderung. Das waren etwa 10 % der Bevölkerung. Der Frauenanteil lag bei 54 %. Rund 59 % der Frauen, aber nur 53 % der Männer mit Schwerbehinderung waren 65 Jahre und älter. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen behinderter Menschen gehen oft mit Nachteilen bezüglich Bildungs- und Erwerbsbeteiligung sowie Einkommen einher, die für Frauen stärker ausgeprägt sind als für Männer (Tab. 11, 14).

2015 bezogen in Berlin 116 424 Personen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung, darunter 64 % Frauen. Die Pflegequote der Berliner Gesamtbevölkerung lag erneut bei 3,3 %. Frauen nahmen vor allem im höheren Alter deutlich häufiger als Männer die gesetzliche Pflege in Anspruch: Bei den über 84-Jährigen lag die Pflegequote für Frauen bei 54 %, für Männer nur bei 36 %. Frauen wurden auch in höherem Maße als Männer stationär betreut (27 % zu 20 %), während die Mehrzahl der pflegebedürftigen Männer (56 %) ausschließlich Pflegegeld erhielt, also zu Hause, meist durch Familienmitglieder, versorgt wurde. Bei den Frauen betraf dies nur 46 % (Tab. 15).

Exkurs: Ausgewählte Berufsgruppen im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist eine Frauendomäne. 2016 waren drei Viertel der insgesamt rund 121 000 Beschäftigten in dieser Branche Frauen. Zwischen und innerhalb der einzelnen Berufsgruppen variieren die Geschlechterverhältnisse jedoch stark:

Von den 22 073 in Berlin tätigen Ärztinnen und Ärzten war insgesamt gut die Hälfte (51 %) weiblich. Im ambulanten Bereich war die Quote etwas höher als im (teil)stationären (53 % zu 49 %). Unter den 4 822 Krankenhausärztinnen und -ärzten mit abgeschlossener Weiterbildung stellten Frauen jedoch nur 41 %. Deutlich unterrepräsentiert sind Frauen bei den leitenden Funktionen in Krankenhäusern: Nur gut ein Drittel (34 %) der oberärztlichen Posten und lediglich 18 % der ärztlichen Leitungsposten in Berliner Krankenhäusern waren mit Frauen besetzt (Tab. 10, 11).

Bei den übrigen Berufsgruppen im Gesundheitswesen sind Frauen mehrheitlich überrepräsentiert, den Beruf der Hebammen/Entbindungspfleger üben in Berlin quasi nur Frauen aus. 2016 standen (werdenden) Eltern 1 452 Hebammen zu Seite, davon 431 in Krankenhäusern festangestellte. Hinzu kamen 1 021 freiberuflich Tätige, von denen allerdings nur 693 aktiv waren. Die Zahl der (aktiven) Hebammen hat mit dem Babyboom in der Hauptstadt nicht Schritt gehalten: Während die Zahl der Entbindungen gegenüber 2007 um 27 % gestiegen ist, lag der Zuwachs bei den festangestellten Hebammen bei 24 %, bei den aktiv gemeldeten Hebammen sogar nur bei 13 % (Tab. 9).

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