Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2019

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

1. Gesundheit

Gesundheit steht in enger Beziehung zu den Lebensumständen der Menschen. Diese sind für Frauen und Männern oft sehr unterschiedlich. Zudem beeinflussen soziokulturell geprägte Geschlechterrollen jeweils den Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Nicht zuletzt haben auch biologische Unterschiede Einfluss auf die Gesundheit von Männern und Frauen.

All diese Faktoren erfordern eine geschlechtersensible Sicht bei Forschung, Vorsorge, Diagnose und Therapie. Doch das Geschlechterverhältnis im Gesundheitssystem selbst ist unausgewogenen. Frauen sind in Leitungs- und Entscheidungspositionen des Gesundheitswesens erheblich unterrepräsentiert.

Kernindikator für den Gesundheitszustand ist die durchschnittliche Lebenserwartung, die sich laufend erhöht hat. Sie liegt in Berlin für Frauen bei Geburt um knapp fünf Jahre über der der Männer. Für den Zeitraum 2017 – 2019 ergaben sich für die Mädchen 83,4 Jahre, für die Jungen 78,6 Jahre. In den letzten Jahren stieg die Lebenserwartung für Männer meist stärker als für Frauen.

Dass Frauen älter werden als Männer, wird u.a. auf die Unterschiede im Gesundheitsbewusstsein und -verhalten der Geschlechter zurückgeführt. So gehen Männer allgemein größere Gesundheitsrisiken ein, bspw. rauchen sie häufiger als Frauen (25 % zu 18 %) und sind häufiger übergewichtig (54 % zu 37 %). Dies ergab eine Zusatzbefragung des Mikrozensus, die in mehrjährigen Abständen durchgeführt wird, zuletzt 2017. (Tab. 1)

Zudem nehmen Frauen häufiger als Männer Vorsorgeuntersuchungen wie den Gesundheits-Check-Up in Anspruch (2019: 67 % zu 57 %). Auch an Vorsorgeuntersuchungen zur Erkennung geschlechtsspezifischer Krebserkrankungen nahm gut die Hälfte der Frauen, aber nur ein Viertel der Männer teil. (Tab. 2, 3)

Die beiden häufigsten Ursachen für einen Aufenthalt im Krankenhaus waren 2018 für Frauen und Männer Erkrankungen des Kreislaufsystems (14 % zu 18 %) sowie Neubildungen (jeweils 12 %), bei denen es sich überwiegend um bösartige Neubildungen handelte. (Tab. 4)

Die Gründe für die Einweisung in ein Krankenhaus sind bei beiden Geschlechtern stark altersabhängig. Bei Männern steht bereits im mittleren Alter (45 bis unter 65 Jahre) eine Erkrankung des Kreislaufsystems im Vordergrund (19 %); bei den Frauen sind es Neubildungen (18 %). Im höheren Alter (65 und mehr Jahre) hat für beide die Erkrankung des Kreislaufsystems den größten Anteil (25 % und 22 %). In jüngeren Jahren (15 bis unter 45 Jahre) waren sowohl für Männer als auch für Frauen psychische Probleme und Verhaltensstörungen der häufigste Anlass für eine stationäre Behandlung (20 % bzw. 15 %). (Tab. 4)

< GRAFIK >

Krankheiten des Kreislaufsystems sowie bösartige Neubildungen gehörten für beide Geschlechter auch zu den Haupttodesursachen. 2018 betraf dies bei den Männern jeweils 30 % bzw. 27 % der Todesfälle. Bei Frauen waren Krankheiten des Kreislaufsystems noch häufiger (34 %) als bösartige Neubildungen (24 %) die Todesursache. (Tab. 16)

Von 2018 zu 2019 ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche von Frauen mit Wohnsitz in Berlin weiter um insgesamt 120 gestiegen. Die Quote der Schwangerschaftsabbrüche pro 10 000 Frauen (im Alter von 15 bis 49 Jahren) lag 2019 wie im Vorjahr bei 114 Fällen. Die Schwangerschaftsabbrüche erfolgten nahezu ausschließlich nach der Beratungsregelung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen (96 %). Die Mehrheit der Frauen (55 %) hatte zum Zeitpunkt des Eingriffs bereits mindestens ein Kind. (Tab. 6, 7)

In Berliner Krankenhäusern kamen 2018 ein Viertel der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Seit 1998 hatte sich die Kaiserschnittrate innerhalb von zehn Jahren kräftig von 15 % auf 25 % erhöht und blieb in der Folge auf hohem Niveau. Die Quote in Berlin liegt weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 29 %. (Tab. 8)

2019 lebten in Berlin rd. 345 900 Personen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Das waren etwa 10 % der Bevölkerung. Der Frauenanteil lag bei 54 %. Rund 60 % der Frauen mit Schwerbehinderung waren 65 Jahre und älter; von den Männern waren es nur 53 %. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen behinderter Menschen gehen oft mit Nachteilen bezüglich Bildungs- und Erwerbsbeteiligung sowie Einkommen einher, die für Frauen meist stärker ausgeprägt sind als für Männer. (Tab. 12, 13)

2019 bezogen in Berlin rd.158 500 Personen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 17 %. Der Frauenanteil lag bei 61 %. Frauen wurden in höherem Maße als Männer stationär betreut (20 % zu 16 %). Die Mehrzahl der pflegebedürftigen Männer (57 %) erhielt Pflegegeld, wurde also zu Hause, meist durch Familienmitglieder, versorgt. Bei den Frauen betraf dies nur 48 %. (Tab. 15)

Exkurs: Ausgewählte Berufsgruppen im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist eine Frauendomäne. Rund drei Viertel der Beschäftigten in dieser Branche sind Frauen. Zwischen und innerhalb der einzelnen Berufsgruppen variieren die Geschlechterverhältnisse jedoch stark:

Von den 23 667 Personen mit ärztlicher Tätigkeit waren 2019 gut die Hälfte weiblich (52 %). Im ambulanten Bereich war die Quote etwas höher als im (teil)stationären (54 % zu 51 %). Unter den 5 382 Krankenhausärztinnen und -ärzten mit abgeschlossener Weiterbildung stellten Frauen jedoch nur 43 % (2018). Deutlich unterrepräsentiert sind Frauen bei den leitenden Funktionen in Krankenhäusern: Nur ein Drittel (34 %) der oberärztlichen Posten und lediglich 19 % der ärztlichen Leitungsposten in Berliner Krankenhäusern waren mit Frauen besetzt. (Tab. 10, 11)

Bei den übrigen Berufsgruppen im Gesundheitswesen sind Frauen mehrheitlich überrepräsentiert. Den Beruf der Hebammen/ Entbindungspfleger üben in Berlin derzeit nur Frauen aus. 2018 standen 1 653 Hebammen werdenden Eltern zur Seite, davon waren 483 in Krankenhäusern festangestellte. Dazu kamen 1 170 freiberuflich Tätige, von denen allerdings nur 695 aktiv waren. In gleichem Maße, in dem die Zahl der Geborenen sich in Berlin in den letzten zehn Jahren erhöht hat, ist auch die Zahl der aktiven Hebammen gestiegen (+ 20 %). (Tab. 9)

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