Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2015

BILDUNG

2. Hochschulbildung

Im Wintersemester 2014/15 waren rund 150 000 Studentinnen und Studenten an staatlichen Hochschulen des Landes Berlin eingeschrieben. Knapp die Hälfte der Studierenden sind Frauen (49 %). Unter den Erstimmatrikulierten lag ihr Anteil bei 52 %.

Die Wahl der Studienfächer ist nach wie vor geschlechtsspezifisch geprägt, die Gewichte haben sich mit den Jahren jedoch verschoben. Während Frauen bei Erstaufnahme des Studiums im Wintersemester 2000/01 größtenteils Fächer der Sprach- und Kulturwissenschaften (37 %) wählten, dominierten im Wintersemester 2014/15 die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (31 %). Für Sprach- und Kulturwissenschaften entschied sich nur noch gut ein Viertel der Studienanfängerinnen. Ein weiteres Viertel wählte Fächer aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und auch Ingenieurwissenschaften, da zwischenzeitlich das Interesse der Frauen an einem Studium der Ingenieurwissenschaft gestiegen ist (von 7 % auf 12 %).

Bei den männlichen Studierenden im ersten Hochschulsemester hat sich das Gewicht kräftig zugunsten der Ingenieurwissenschaften verschoben (von 19 % auf 29 %). Dafür ist vor allem die Bedeutung der Sprach- und Kulturwissenschaften zurückgegangen (von 18 % auf 12 %), und die der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind etwas in den Hintergrund getreten (von 29 % auf 24 %). Insgesamt wählten im Wintersemester 2014/15 über die Hälfte der Studienanfänger Fächer aus den Bereichen Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften (55 %).

Die geschlechtsspezifische Studien- bzw. Berufswahl spiegelt sich auch im Frauenanteil der Fächergruppen. Studierende der Sprach- und Kulturwissenschaften, Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften sowie Kunst und Kunstwissenschaften waren ganz überwiegend Frauen (zwischen 64 % und 68 %). In den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften lag ihr Anteil nur bei 36 % bzw. 27 %.

Mit Ausnahme der Technischen Universität ergeben sich für die Berliner Universitäten (einschließlich Charité Universitätsmedizin und Universität der Künste) Frauenanteile zwischen 57 % und 64 %. Die Studiengänge an Kunsthochschulen werden ebenfalls mehrheitlich von Frauen gewählt (60 %). An der Technischen Universität ist dagegen nur etwa ein Drittel der Studierenden Frauen. Ähnliches gilt für Fachhochschulen mit den Schwerpunkten Technik bzw. Technik und Wirtschaft; dagegen weisen solche mit Fächern im Bereich Wirtschafts- und Verwaltungsmanagement bzw. in der Tradition früherer Frauenberufe Quoten von 52 % bzw. 73 % aus.

Im Jahr 2014 hatten rund 26 000 Studentinnen und Studenten ihr Studium erfolgreich abgeschlossen; gut die Hälfte davon waren Frauen. Für die große Zahl der Absolventen und Absolventinnen an Universitäten ergab sich eine Quote von 53 %. Der hohe Frauenanteil an den Lehramtsprüfungen (68 %) ist ein weiteres Indiz für die geschlechtsspezifische Studien- und Berufswahl. Unter denjenigen, die sich durch eine Promotion weiterqualifizierten, waren 48 % Frauen; im Jahr 2000 hatte die Quote nur bei 38 % gelegen. 2014 hatten zudem 110 Personen durch Habilitation eine Lehrbefähigung erlangt; der Frauenanteil lag hier bei 25 %. Die Habilitation ist nicht die einzige Qualifikation für eine Lehrbefähigung an Hochschulen, sie kann auch durch andere zusätzliche wissenschaftliche Leistungen, wie z. B. eine (befristete) Juniorprofessur, erbracht werden. An den Berliner Hochschulen waren 176 Juniorprofessoren/-innen tätig, darunter 91 Frauen (52 %).

Zum hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personal der staatlichen Hochschulen des Landes Berlin gehörten 2014 rund 2 800 Professorinnen und Professoren; der Frauenanteil lag bei 30,4 %. Für den kleinen Kreis der Dozentinnen und Dozenten bzw. Assistentinnen und Assistenten ergab sich eine Frauenquote von 48 %, und Lehrkräfte für besondere Aufgaben waren ganz überwiegend Frauen (64 %). Auch unter den rund 11 000 wissenschaftlichen/künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind Frauen gut repräsentiert (43 %).

Beim nebenberuflichen Personal ergab sich für die große Zahl der Lehrbeauftragten ein Frauenanteil von 37 %. Für Privatdozentinnen und -dozenten bzw. außerplanmäßigen Professorinnen und Professoren sowie für die vergleichsweise kleine Gruppe der Honorarprofessorinnen und -professoren lagen die Quoten bei nur 24 % bzw. 14 %. Unter den rund 7 800 wissenschaftlichen Hilfskräften waren Frauen gut repräsentiert (47 %).

An den Berliner Hochschulen sind in der Vergangenheit deutliche Fortschritte in der Teilhabe von Frauen an den obersten Positionen in der Wissenschaft erzielt worden. Seit 2005 hat sich der Anteil der hauptberuflichen Professorinnen an Hochschulen in Trägerschaft des Landes Berlin kontinuierlich von 18,6 % auf 30,4 % erhöht. Dadurch behauptet Berlin eine Spitzenposition im bundesweiten „Gleichstellungsranking“ der Hochschulen. Bundesweit ergibt sich aktuell im Durchschnitt nur eine Quote von 22,0 %. Unter den Universitäten hat die Freie Universität den höchsten Anteil an Professorinnen (36,6 %). Ungeachtet der bisherigen Erfolge ist die Situation von Frauen im Hinblick auf die Besetzung von Führungspositionen in den Hochschulen noch nicht zufriedenstellend: Die Frauenquote in der höchsten Besoldungsgruppe – den W3-Professuren – lag auch 2014 nur bei 24,5 %.

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