Amt für Statistik Berlin - Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2015

GESUNDHEIT, GEWALT GEGEN FRAUEN

1. Gesundheit

Gesundheit steht in enger Beziehung zur sozialen Lage und den Lebensumständen der Menschen. Zwischen Männern und Frauen gibt es in dieser Hinsicht deutliche Unterschiede mit entsprechenden Folgen für ihre Gesundheit. Der Gesundheitszustand hängt zudem mit den unterschiedlichen biologischen Voraussetzungen von Männern und Frauen zusammen, was eine geschlechterspezifische Sicht bei Diagnose, Vorsorge und Therapie erfordert.

Kernindikator für den Gesundheitszustand ist die durchschnittliche Lebenserwartung, die sich laufend erhöht und für Frauen zurzeit in Berlin um 5 Jahre höher liegt als für Männer. Fachleute führen dies auch auf die Unterschiede im Gesundheitsbewusstsein und -verhalten der Geschlechter zurück. Männer gehen im Allgemeinen größere Gesundheitsrisiken ein als Frauen. Dazu gehören z. B. höherer Tabakkonsum (2013 waren 25,1  % der Männer und 17,1 % der Frauen Raucher bzw. Raucherinnen) und stärkeres Übergewicht (gemäß Body-Mass-Index waren 61,5 % der Männer und 43,3 % der Frauen übergewichtig). Auch Todesfälle durch Alkoholmissbrauch oder infolge eines Unfalls sowie Suizid kommen bei Männern häufiger vor (Ergebnisse einer Zusatzbefragung des Mikrozensus in mehrjährigen Abständen, zuletzt 2013).

Mit dem Alter der Patientinnen und Patienten nimmt der Anteil der oben genannten Diagnosen zu. So wurden in der Altersgruppe der 65 - 75-jährigen 14 % der Frauen und 17 % der Männer wegen bösartiger Neubildungen stationär behandelt sowie 18 % der Frauen und 25 % der Männer aufgrund von Kreislauferkrankungen. In jüngeren Jahren (Altersgruppen 15 bis 45 Jahre) entfällt der höchste Anteil der stationären Behandlungen auf den Diagnosebereich psychische Probleme und Verhaltensstörungen (Frauen: 15 %; Männer: 19 %).

< GRAFIK >

Krankheiten des Kreislaufsystems sowie bösartige Neubildungen gehörten für beide Geschlechter auch zu den Haupttodesursachen; bei Frauen insbesondere Krankheiten des Kreislaufsystems (34 % bzw. 28 %), bei den Männern stehen bösartige Neubildungen an erster Stelle (28 % bzw. 24 %).

346 826 Personen waren 2013 in Berlin als Schwerbehinderte amtlich anerkannt. Das waren etwa 10 % der Bevölkerung. In der Altersgruppe von 65 und mehr Jahren lagen die Quoten bei 29 % (Frauen) bzw. 30 % (Männer). Es handelte sich überwiegend um körperliche, meist krankheitsbedingte Behinderungen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen behinderter Menschen gehen oft mit Nachteilen bezüglich Bildungsstand, Erwerbsbeteiligung und Einkommen einher, die für Frauen stärker ausgeprägt sind als für Männer.

Im Dezember 2013 bezogen 72 166 Frauen und 40 343 Männer in Berlin Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Pflegequote der Bevölkerung lag für Berlin insgesamt bei 3,3 %, was eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Frauen nahmen vor allem im höheren Alter deutlich häufiger als Männer die gesetzliche Pflege in Anspruch. In der Altersgruppe von 85 und mehr Jahren lag die Pflegequote für Frauen bei rund 55 % und für Männer bei rund 38 %.

Frauen wurden auch in höherem Maße als Männer stationär betreut (2013: 27 % zu 20 %). Die Mehrzahl der pflegebedürftigen Männer erhielt ausschließlich Pflegegeld (58 %), wurde also zuhause, in der Regel durch Familienmitglieder, versorgt. Bei den Frauen waren dies nur 47 %.

2014 wurden 8 643Schwangerschaftsabbrüchevon Frauen mit Wohnsitz in Berlin registriert; das sind 157 Eingriffe weniger als im Vorjahr. Damit setzte sich der seit 2010 festzustellende Rückgang der Zahl der Schwangerschaftsabbrüche weiter fort. Die Quote für 1 000 Frauen im Alter von 15 bis unter 45 Jahren liegt mit 12,7 % erstmals deutlich unter denen der Vorjahre (zuletzt 13,8 %).

Die Schwangerschaftsabbrüche erfolgten nahezu ausschließlich nach der Beratungsregelung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen (95 %). Die meisten Frauen waren zum Zeitpunkt des Eingriffs ledig (64 %); 43 % hatten noch keine Kinder geboren. In der Altersgruppe der 15- bis unter 25-Jährigen überwog der Anteil der Frauen ohne Kinder (70 %), in der Gruppe der 25- bis unter 30-Jährigen hatte bereits über die Hälfte der Frauen ein oder mehrere Kinder (53 %).

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