Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Gender Datenreport Berlin 2017

VORWORT

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist eines der zentralen politischen Ziele des Berliner Senats und zugleich Verfassungsauftrag: Der Staat ist verpflichtet, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken – so steht es in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes und in Artikel 10 Absatz 3 der Berliner Verfassung.

Geschlechtergleichstellung betrifft alle Bereiche der Gesellschaft. Sie ist Aufgabe einer Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren in Institutionen und Organisationen und Anliegen vieler gesellschaftlich engagierter Bürgerinnen und Bürger.

Um die Entwicklung der Geschlechtergleichstellung beobachten und Handlungsansätze fundieren und überprüfen zu können, bedarf es langfristig vergleichbarer Daten. Der Gender Datenreport für Berlin liefert hierfür eine wichtige Informationsgrundlage. Der nunmehr neunte Report schreibt die seit 2009 jährlich veröffentlichte Zusammenstellung geschlechterdifferenzierter Daten zu zentralen Bereichen der Gesellschaft fort. Er richtet sich an alle, die sich in unterschiedlichen Handlungsfeldern mit dem komplexen Gleichstellungsthema befassen.

Gleichstellungspolitik ist eine Querschnittsaufgabe, die umfassender Informationen bedarf. Die jährliche Fortschreibung des Gender Datenreports erfordert jedoch zugleich eine Konzentration auf Kernthemen. Dazu gehören Erwerbsarbeit und Einkommen, die Teilhabe an Bildung von der Schule über berufliche Ausbildung bis zur akademischen Bildung. Politische Partizipation gehört ebenso dazu wie Gesundheit und der Schutz vor Gewalt. Demografische Prozesse beeinflussen alle diese Lebensbereiche.

Die Tabellen des Berichts sind diesen Themen zugeordnet. Sie basieren größtenteils auf Standardauswertungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, was eine bundesweite Vergleichbarkeit gewährleistet und europäische Vergleiche bei wesentlichen Kennziffern ermöglicht. Der Report gibt Aufschluss über den Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in verschiedenen Lebensbereichen sowie über Zusammenhänge zwischen der Geschlechtszugehörigkeit und anderen sozialen und demografischen Merkmalen.

Der Gender Datenreport 2017 macht deutlich, dass es trotz beachtlicher Fortschritte in einigen Gebieten der Gleichstellung noch erheblichen Handlungsbedarf gibt. Die Daten zeigen, dass Frauen im Bildungsbereich bereits erfolgreicher sind als Männer. Allerdings ist die Berufs- und Studienfachwahl weiterhin stark geschlechtsspezifisch geprägt. Hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung holen Frauen zwar kontinuierlich auf, doch arbeiten sie viel häufiger in Teilzeit oder in geringer entlohnten Branchen als Männer. Berliner Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Berliner Männer, der geschlechts-spezifische Verdienstabstand hält sich hartnäckig. In den Führungs- oder Leitungspositionen sind Frauen viel seltener anzutreffen als Männer.

Gleiches gilt für die politischen Entscheidungsstrukturen. Zwar stellen Frauen erstmals in der Geschichte die Mehrheit im Berliner Senat. Doch es gibt auch Rückschläge zu verzeichnen: Im Berliner Abgeordnetenhaus ist der Frauenanteil nach der Wahl von 2016 erneut zurückgegangen und liegt bei nunmehr einem Drittel. In den Bezirksverordnetenversammlungen ist die Quote ebenfalls gesunken. Selbst 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist es bis zur politischen Parität noch ein weiter Weg.

In engem Zusammenhang mit Bildung und Erwerbstätigkeit stehen die persönlichen Lebensentwürfe von Frauen und Männern. Die Daten zeigen den Wandel der Lebensformen hin zu größerer Vielfalt sowohl im Querschnitt der Bevölkerung als auch in den individuellen Lebensverläufen. Die Kenntnis solcher Veränderungen ist grundlegend für die Entwicklung gleichstellungspolitischer Maßnahmen und Konzepte.

2015 hatte deshalb die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen das Amt für Statistik mit einer ergänzenden Studie zum Wandel der Lebensformen beauftragt, die sich eingehender mit dem Ausmaß der Veränderungen und den unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen und Männern befasst.

Im Ergebnis zeigte sich u. a., dass heute erheblich weniger Menschen in Familien leben und unter den Familien mit Kindern zunehmend mehr Alleinerziehende und unverheiratete Paare sind. Diese Entwicklung ist in Großstädten wie Berlin besonders ausgeprägt und kann aufgrund der traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern vor allem für Frauen mit Kindern mit erheblichen finanziellen und sozialen Belastungen verbunden sein.

Die Studie kann auf der Website der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg abgerufen werden.

Berlin, August 2018

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