Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 

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Wie funktioniert der Zensus?

Überblick

01 – Wie funktioniert die Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahlen?

Beim registergestützten Zensus wird im Gegensatz zu traditionellen Volkszählungen nicht jeder Haushalt von Interviewerinnen und Interviewern befragt. Am Ende müssen alle Einwohnerinnen und Einwohner erfasst werden. Wie funktioniert das?

Zur Feststellung der amtlichen Einwohnerzahlen wird zunächst auf die kommunalen Einwohnermelderegister zurückgriffen. Diese übermitteln zum geplanten Zensusstichtag am 16. Mai 2021 alle gemeldeten Personen an die Statistischen Landesämter. Das allein reicht aber zur Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahlen nicht aus. Zusätzlich müssen unter anderem die in den Melderegistern vorhandenen Über- und Unterfassungen (sogenannte Karteileichen bzw. Fehlbestände) ermittelt werden. Diese Karteileichen und Fehlbestände werden stichprobenhaft erfasst und mithilfe einer Hochrechnung zur Korrektur der Einwohnerzahl herangezogen. Außerdem werden beim Zensus Daten erhoben, die nicht in den Registern vorliegen.

02 – Registerdaten und Stichprobengröße

Interview mit Steffen Seibel

Steffen Seibel vom Statistischen Bundesamt erklärt im Interview die Änderungen der Stichprobenmethodik. Was wird sich gegenüber dem Zensus 2011 für den Zensus 2021 ändern? Welche Herausforderungen gibt es? Und warum werden jetzt auch die Gemeinden unter 10 000 Einwohnern befragt?

03 – Datenschutz

Datenschutz ist weit mehr als eine gesetzliche Pflicht: Denn die amtliche Statistik lebt vom Vertrauen und der Akzeptanz der Bevölkerung. Daher legen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder beim Zensus höchstes Augenmerk auf Sicherheitsvorkehrungen, die die Geheimhaltung Ihrer Daten garantieren.

Datenschutz und Informationssicherheit sind an den Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) ausgerichtet. Die verstärkte öffentliche Wahrnehmung, die mit der Einführung der DS-GVO einhergegangen ist, wirkt sich auch auf den Zensus 2021 aus. Um ein angemessenes Sicherheitsniveau zu erreichen, setzt das Statistische Bundesamt die Sicherheitsanforderungen nach der Methodik des IT-Grundschutzes um. In Fragen des Datenschutzes und der Informationssicherheit wird zusätzlich zu den behördlich geforderten Umsetzungen auf sachkundige Beratung zurückgegriffen: Das Gesamtprojekt Zensus 2021 wird sowohl von der Aufsichtsbehörde für den Datenschutz – dem Bundesbeauftragten für Datenschutz und die Informationsfreiheit – als auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik begleitet. Da zudem der Zensus 2021 eine Gemeinschaftsaufgabe der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ist, sind auch im statistischen Verbund die Vorgaben der DS-GVO Bestandteil der Zusammenarbeit.

Im Rahmen der Pretests verzichten wir darauf, persönliche Angaben wie Name, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu speichern. Somit wird es nicht möglich sein, die getätigten Angaben einzelnen Personen zuzuordnen. Selbstverständlich gelten auch für den Pretest höchste Sicherheitsvorkehrungen.

In der Haupterhebung im Jahr 2021 werden die Daten durch bauliche, technische und organisatorische Zugangsbeschränkungen in den Rechenzentren der statistischen Ämter gesichert. Außerdem werden Maßnahmen zur Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit getroffen, die insbesondere Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität der Daten gewährleisten. Bei der Nutzung allgemein zugänglicher Netze werden dem jeweiligen Stand der Technik entsprechende Verschlüsselungsverfahren angewendet.

04 – Die Methode hinter dem Zensus 2021

Die Ergebnisse des Zensus 2011 bilden heute die Grundlage amtlicher Statistiken. Zwar werden die Daten anhand von Informationen über Geburten, Todesfälle und Ummeldungen kontinuierlich aktualisiert („fortgeschrieben“), doch sind die Quellen dieser Anpassungen, die amtlichen Register, nicht immer präzise. Die Fortschreibungszahlen werden daher von Jahr zu Jahr ungenauer.

Die letzte klassische Volkszählung fand in Deutschland im früheren Bundesgebiet im Jahr 1987 statt. Hierbei handelte es sich – wie beim Zensus – um eine gesetzlich angeordnete Erhebung statistischer Bevölkerungsdaten. Allerdings wurde die Bevölkerung nicht anhand einer Stichprobenziehung erhoben, sondern im Rahmen einer Vollerhebung. Hierbei waren alle Bürgerinnen und Bürger zur Auskunft verpflichtet.

Beim Zensus 2021 kommt – wie schon beim Zensus 2011 – ein von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder entwickeltes Verfahren zum Einsatz, das als registergestützter Zensus bezeichnet wird. Das bedeutet, es müssen nicht wie bei einer traditionellen Volkszählung alle Bürgerinnen und Bürger befragt werden, da die meisten Daten bereits in den Registern der Verwaltung vorliegen, etwa im Einwohnermeldeamt.

Beim registergestützten Zensus werden Kopien dieser Daten an die amtliche Statistik übermittelt. Dort werden sie unter strengen Datenschutzvorgaben in einem abgeschotteten Bereich zusammengeführt. Möglicherweise sind einzelne Personen oder ganze Familien umgezogen und haben sich am neuen Wohnort noch nicht angemeldet. In diesen Fällen sind die Melderegister fehlerhaft. Um solche Ungenauigkeiten in der Statistik herauszurechnen werden weniger als zehn Prozent der Bevölkerung in einem kurzen Interview befragt. Diese Stichprobenbefragung ist außerdem notwendig um Daten zu erheben, die nicht in den Registern vorliegen, wie z. B. Angaben zu Bildung und Ausbildung oder zur Erwerbstätigkeit.

Für Wohnungen und Gebäude gibt es keine flächendeckenden Register. Daher werden etwa 17,5 Mio. Besitzerinnen und Besitzer von Eigentumswohnungen oder Wohngebäuden in Deutschland postalisch befragt. Eine weitere Befragung betrifft Wohnheime (z. B. Studierendenwohnheime) und Gemeinschaftsunterkünfte (z. B. Alten-/Pflegeheime und Kinder-/Jugendheime). An diesen Anschriften sind die Register besonders ungenau, weil es häufig zu Umzügen kommt.

Der registergestützte Zensus liefert verlässliche Ergebnisse für ganz Deutschland, obwohl nicht alle Menschen in Deutschland befragt werden.

Der Begriff Mikrozensus bedeutet „kleine Volkszählung“. Es handelt sich um eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung, bei der seit 1957 jedes Jahr ein Prozent der Haushalte bundesweit befragt wird.

Im Mikrozensus werden mehr und detailliertere Fragen als im Zensus gestellt. Aufgrund des breiten Spektrums an Erhebungsmerkmalen eignet sich der Mikrozensus für die Analyse kleinerer Subpopulationen wie z. B. einzelner Berufsgruppen. Darüber hinaus ermöglicht die zeitliche Kontinuität des Mikrozensus Untersuchungen im Zeitverlauf, mit denen sich historische Entwicklungen aufzeigen lassen. Dabei kann der Mikrozensus ebenfalls für Längsschnittanalysen genutzt werden. Auch eignet sich der Mikrozensus für Vergleiche im internationalen Kontext, da für verschiedene Themenbereiche internationale Standards existieren. Darüber hinaus stellt der Mikrozensus für eine Vielzahl an Erhebungen der empirischen Sozial- und Meinungsforschung sowie der amtlichen Statistik ein wichtiges Hochrechnungs-, Adjustierungs- und Kontrollinstrument dar. Die Ergebnisse können allerdings ausschließlich für Deutschland, die Bundesländer, große Städte und Kreise bzw. Regionen ausgewiesen werden, da die Stichprobe mit einem Prozent der Haushalte zu gering für detailliertere Ergebnisdarstellungen ist. Beim Zensus hingegen werden alle Gebäude- und Wohnungseigentümer Deutschlands und zusätzlich zu den Angaben aus Registern zehn Prozent der Haushalte sowie die Bewohner von Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften befragt. Dadurch sind für alle Städte und Gemeinden Ergebnisse verfügbar.

Das Ziel des Mikrozensus ist also nicht – wie beim Zensus – die Feststellung der amtlichen Einwohnerzahl. Der Mikrozensus liefert dafür alljährlich Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung in Deutschland. Hierzu gehören u. a. Informationen zu Haushalts- und Familienstrukturen, zu Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit, zu Ausbildung und Weiterbildung, zur Einkommenssituation und vielen weiteren Themen. Im Gegensatz zum Zensus ermöglicht der Mikrozensus sehr viel detailliertere Informationen über wichtige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. In kurzen Zeitabständen können mit dem Mikrozensus Eck- und Strukturdaten sowie deren Veränderungen ermittelt und dadurch die Datenlücken zwischen den großen Volkszählungen (hier: Zensus 2011 und Zensus 2021) gefüllt werden.