Der Warenkorb im Verbraucherpreisindex
Der Verbraucherpreisindex misst die Preisentwicklung anhand eines repräsentativen Warenkorbs. Wie wird er zusammengestellt und warum ändert er sich regelmäßig?

In der Regel wird der Verbraucherpreisindex alle fünf Jahre auf eine neue Basis umgestellt – doch was heißt das eigentlich konkret? Warum ist das notwendig, und wie verändert sich dadurch unser Blick auf die Preise? Anhand eines einfachen Beispiels mit einem Mini-Warenkorb wird verständlich, wie sich das Konsumverhalten wandelt – und warum die Statistik Schritt halten muss.
Preise verändern sich und mit ihnen unser Alltag. Was Menschen kaufen, welche Angebote sie nutzen und wie sie ihr Geld ausgeben, ist nicht statisch. Damit die amtliche Statistik diese Veränderungen präzise abbildet, wird auch der Verbraucherpreisindex regelmäßig überarbeitet. Dieses Verfahren wird Revision genannt.
Ein zentrales Element jeder Revision ist die sogenannte Basisumstellung. Dabei wird festgelegt, welches Jahr künftig als Ausgangspunkt für Preisvergleiche dient. Gleichzeitig wird der Warenkorb aktualisiert. Ziel ist es, die Statistik an die tatsächlichen Lebensverhältnisse der Menschen anzupassen.
Die Lebensrealität wandelt sich stetig: Streaming-Dienste haben die CD ersetzt, Online-Shopping ergänzt den stationären Handel und neue Mobilitätsangebote wie E-Scooter oder Carsharing sind hinzugekommen. Gleichzeitig verlieren andere Dinge an Bedeutung – zum Beispiel DVDs oder Festnetztelefone.
Würde der Verbraucherpreisindex diese Veränderungen nicht regelmäßig berücksichtigen, würde er an Aussagekraft verlieren. Er würde Preise von Produkten verfolgen, die kaum noch genutzt werden, und gleichzeitig neue Ausgabenbereiche übersehen. Eine neue Basis stellt sicher, dass die Preisstatistik den aktuellen Konsum widerspiegelt und kein Bild von gestern zeichnet.
Revisionen erfolgen turnusmäßig etwa alle fünf Jahre. Mit jeder Revision wird ein neues Basisjahr festgelegt, auf das sich der Index künftig bezieht. Der Indexwert dieses Jahres wird auf 100 gesetzt. Die letzte und die kommenden Umstellungen:
Obwohl das Basisjahr 2025 heißt, erfolgt die offizielle Umstellung erst im Januar 2028. Diese zeitliche Verzögerung ist bewusst gewählt, da ein Basisjahr nicht sofort als Grundlage dienen kann. Zuerst müssen die Preisdaten des gesamten Jahres 2025 erhoben und geprüft werden.
Darüber hinaus ermöglicht eine längere Erhebungsphase vor der eigentlichen Umstellung die Bereitstellung von monatlichen und jährlichen Veränderungsraten. Dies erlaubt es, Zeitreihen und Preisvergleiche auf der neuen Grundlage bereits zum Startzeitpunkt fundierter darzustellen.
Um diesen Prozess zu gewährleisten, beginnt die Vorbereitung bereits deutlich früher. So werden beispielsweise seit Dezember 2024 bereits erste Daten erhoben, die für die kommende Basis 2025 wichtig sind. Diese Daten fließen noch nicht in den aktuellen Index ein, bilden aber die notwendige Basis für die spätere Umstellung.
Während somit das aktuelle System auf Basis 2020 weiterhin offiziell verwendet wird, laufen im Hintergrund die notwendigen Schritte für die nächste Basisumstellung.
Eine Basisumstellung verändert nicht die Preise der Waren und Dienstleistungen. Wenn etwas vor der Basisumstellung 1,20 EUR gekostet hat, dann kostet es auch nach der Basisumstellung 1,20 EUR.
Was sich jedoch verändert, ist der statistische Bezugspunkt. Der Indexwert ist kein Preis, sondern ein Verhältnis. Er gibt an, wie sich ein Preis im Verhältnis zu einem bestimmten Jahr entwickelt hat. Da sich bei einer Basisumstellung dieses Bezugsjahr ändert, ändert sich zwangsläufig auch der Indexwert für denselben Zeitpunkt. Es ist, als würde man den Nullpunkt eines Lineals verschieben, die Länge des Gegenstandes bleibt gleich, aber die Zahl auf der Skala ist eine andere.
Zur Veranschaulichung beim Verbraucherpreisindex betrachten wir einen vereinfachten Warenkorb, der aus drei Produkten besteht.
1 DVD, 1 Liter Benzin, 1 Restaurantbesuch
Die Gesamtkosten für diesen fiktiven Mini-Warenkorb betrugen im Jahr 2015 genau 80 EUR und stiegen bis zum Jahr 2020 auf 90 EUR an. Um zu verdeutlichen, welchen Einfluss das Basisjahr auf den Indexwert hat, betrachten wir einen weiteren Zeitpunkt: das Jahr 2018. Nehmen wir an, der Warenkorb kostete damals 88 EUR.
Vergleichen wir diesen Warenkorb mit dem Jahr 2015, als er 80 EUR kostete, sehen wir: Der Einkauf ist teurer geworden. Gegenüber dem Basisjahr ergibt sich ein Preisanstieg von 10 %. Der Indexwert liegt deshalb bei 110.
Die Gesamtkosten für diesen fiktiven Mini-Warenkorb betrugen im Jahr 2015 genau 80 EUR und stiegen bis zum Jahr 2020 auf 90 EUR an. Um zu verdeutlichen, welchen Einfluss das Basisjahr auf den Indexwert hat, betrachten wir einen weiteren Zeitpunkt: das Jahr 2018. Nehmen wir an, der Warenkorb kostete damals 88 EUR.
Vergleichen wir diesen Warenkorb mit dem Jahr 2015, als er 80 EUR kostete, sehen wir: Der Einkauf ist teurer geworden. Gegenüber dem Basisjahr ergibt sich ein Preisanstieg von 10 %. Der Indexwert liegt deshalb bei 110.
Vergleichen wir denselben Warenkorb dagegen mit dem Jahr 2020, in dem er 90 EUR kostete, ergibt sich ein anderes Bild. Im Vergleich zum Basisjahr 2020 war der Warenkorb im Jahr 2018 etwas günstiger. Der Indexwert liegt deshalb bei 98 und entspricht einem Preisniveau von rund 2 % unter dem des Jahres 2020.
Obwohl sich weder der Warenkorb noch sein Preis im Jahr 2018 geändert haben, fällt der Indexwert unterschiedlich aus. Der Grund ist, dass sich lediglich der Vergleichsmaßstab geändert hat. Deshalb lassen sich Indexwerte nur dann sinnvoll miteinander vergleichen, wenn sie auf demselben Basisjahr beruhen.
Das obige Beispiel nutzt einen gleichbleibenden Warenkorb, um die Wirkung der Basisumstellung zu verdeutlichen. In der Praxis ändern sich bei jeder Revision jedoch auch die Zusammensetzung des Warenkorbs und die Gewichtung der Ausgaben.
Neue Produkte kommen hinzu, alte fallen weg und bestimmte Bereiche gewinnen oder verlieren an Bedeutung. Die Statistik bildet somit nicht nur Preisänderungen ab, sondern spiegelt auch wider, wofür die Menschen ihr Geld ausgeben. Dadurch bleibt der Verbraucherpreisindex ein verlässliches Abbild des tatsächlichen Konsumverhaltens.
Mit jeder Basisumstellung passt sich die Statistik der Lebenswirklichkeit der Menschen an. Preisvergleiche basieren dadurch nicht auf veralteten Mustern, sondern auf dem, was heute tatsächlich zählt.
So bleibt der Verbraucherpreisindex ein solides Instrument, um die Teuerung zu beobachten, wirtschaftliche Entwicklungen einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen, für Verbraucher ebenso wie für Politik, Unternehmen und die gesamte Gesellschaft.
Verena Staib
Verdienste
Redaktion
Content Management
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