Trotz Preissteigerungen deutliches Verdienstplus
Im April 2024 lag der mittlere Bruttomonatsverdienst in Berlin um 1.262 EUR höher als zehn Jahre zuvor, in Brandenburg um 1.097 EUR. Mehr zu einzelnen Berufsfeldern.

Anlässlich des Tags der Arbeit veröffentlicht das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg eine detaillierte Entwicklung der Kaufkraft der Beschäftigten in 2025 im Vergleich zum Vorjahr. Während die Gesamtwirtschaft ein reales Plus verzeichnete, gab es je nach Branche und Region sowohl Reallohngewinne als auch Reallohnverluste.
Wie sich die Verdienste der Beschäftigten entwickeln, lässt sich nicht allein an steigenden Löhnen und Gehältern ablesen. Entscheidend ist auch, wie sich die Verbraucherpreise verändern – denn erst das Zusammenspiel von Verdienst- und Preisentwicklung zeigt, ob die Beschäftigten tatsächlich über mehr Kaufkraft verfügen. Vereinfacht gesagt geht es um die Frage, wieviel das Geld auf dem Lohn- oder Gehaltszettel tatsächlich wert ist.
realer Verdienstzuwachs 2025 in Berlin
realer Verdienstzuwachs 2025 in Brandenburg
Für das Jahr 2025 lässt sich anhand der Verdienste der Beschäftigten in Berlin und Brandenburg insgesamt eine eindeutige Aussage treffen. In beiden Ländern gab es, unter Berücksichtigung der Teuerung, einen realen Zuwachs und somit mehr finanziellen Spielraum als im Vorjahr.
Wird die Entwicklung der Verdienste jedoch differenziert nach Wirtschaftszweigen betrachtet, wird jedoch deutlich, dass die Entwicklung der Verdienste nicht für alle Beschäftigten gleich ausfällt. Je nach Branche gab es nicht nur reale Zugewinne, sondern auch Verluste. Das zeigt sich insbesondere an den unterschiedlich gestiegenen Nominallöhnen in den einzelnen Sektoren, die in Kombination mit der Entwicklung des Verbraucherpreisindex zu stark variierenden Ergebnissen führen. Ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer also tatsächlich von einem Anstieg der Kaufkraft profitieren oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, in welcher Branche sie tätig sind.
Werden die einzelnen Wirtschaftszweige betrachtet, zeigen sich in Berlin und Brandenburg überwiegend ähnliche Entwicklungen, allerdings auf unterschiedlichen Niveaus.
In der Energieversorgung wurden 2025 in beiden Ländern vergleichsweise hohe Reallohnzuwächse in Bezug zum Vorjahr erzielt. In Berlin stiegen die Reallöhne um rund 6,4 %. In Brandenburg gab es in diesem Wirtschaftszweig mit 3,4 % nur den zweitstärksten Anstieg. Im Bergbau und die Gewinnung von Steinen und Erden war der Reallohnanstieg mit 5,2 % am höchsten. Auch im Verarbeitenden Gewerbe kam es zu spürbaren Zuwächsen; mit 4,3 % in Berlin und 2,1 % in Brandenburg.
Das Baugewerbe entwickelte sich dagegen deutlich schwächer. In Berlin stagnierte die Reallohnentwicklung (0,0 %). Somit blieben die Verdienste hier preisbereinigt unverändert, also wurde jeglicher Anstieg der Verdienste in 2025 durch den Anstieg der Verbraucherpreise aufgezehrt. In Brandenburg wurde ein leichter Anstieg von 0,5 % verzeichnet, was zu einer geringen Verbesserung der Kaufkraft gegenüber dem Vorjahr führt.
Teilweise kam es auch zu rückläufigen Reallöhnen. Im Gastgewerbe sanken die Reallöhne in Berlin leicht um 0,1 %, während in Brandenburg ein Anstieg von 2,1 % zu verzeichnen war. Im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung wurde in Brandenburg ein Rückgang von 0,7 % festgestellt, während in Berlin ein leichter Zuwachs registriert wurde.
Den höchsten negativen Reallohnverlust hatten in 2025 die Beschäftigten der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei in Brandenburg. Da die nominalen Verdiensterhöhungen kaum ins Gewicht fielen, führte der Anstieg des Verbraucherpreisindex dazu, dass die Kaufkraft real um 2,2 % zurückging. Für die Beschäftigten bedeutet das, dass sie sich, aufgrund der nahezu unveränderten Löhne und Gehälter spürbar weniger leisten können, etwa bei alltäglichen Ausgaben wie Lebensmitteln, Energie oder Miete.
Ein noch differenzierteres Bild ergibt sich auf der Gliederungsebene der Wirtschaftszweig-Abschnitte. Hier wird die Spannbreite der Reallohnentwicklungen noch deutlicher.
Besonders hohe Reallohnzuwächse zeigten sich in einzelnen industriellen und dienstleistungsnahen Bereichen. Dazu zählt die Telekommunikation mit 4,8 % in Berlin und 3,8 % in Brandenburg sowie die Herstellung elektrischer Ausrüstungen mit 4,4 % beziehungsweise 3,3 %. Auch der Maschinenbau erreichte deutliche reale Verdienststeigerungen von 4,0 % in Berlin und 3,3 % in Brandenburg. In der Finanzdienstleistung lagen die Zuwächse ebenfalls auf hohem Niveau mit 4,1 % in Berlin und 3,6 % in Brandenburg.
Gleichzeitig gab es Wirtschaftszweige mit sehr schwacher oder rückläufiger Entwicklung. Im Einzelhandel zeigte sich in Brandenburg ein realer Rückgang von 0,4 %, während in Berlin noch ein Zuwachs von 1,7 % erreicht wurde. Auch in der Gastronomie war die Entwicklung uneinheitlich und reichte von einem Minus von 0,8 % in Berlin bis zu einem leichten Plus von 0,2 % in Brandenburg. In der Nahrungs- und Futtermittelherstellung stagnierte die Entwicklung der Reallöhne mit 0,1 % in Berlin und –0,1 % in Brandenburg.
Innerhalb des Wirtschaftszweigs Baugewerbe war die Spannbreite besonders groß. Während der Hochbau einen realen Rückgang verzeichnete, kam es im Tiefbau zu Verdienstzuwächsen. Die vorbereitenden Baustellenarbeiten und Bauinstallationen, zu denen unter anderem auch das Handwerk gehört, lagen mit –0,2 % in Berlin und +0,5 % in Brandenburg nahe Null. Das verdeutlicht, dass selbst innerhalb einzelner Wirtschaftszweige sehr unterschiedliche Reallohnentwicklungen auftreten.
Neben der differenzierten Betrachtung nach Wirtschaftszweigen lässt sich die Reallohnentwicklung auch anhand weiterer Merkmale untersuchen.
So unterscheidet sich die Entwicklung der Reallöhne nach Geschlecht nur geringfügig. In Berlin verzeichneten Männer mit einem Reallohnzuwachs von 3,0 % etwas stärkere Zuwächse als Frauen mit einem realen Plus von 2,7 %. In Brandenburg hingegen nahmen die Reallöhne mit jeweils 1,8 % für beide Geschlechter gleichermaßen zu.
Auch die Beschäftigungsform beeinflusst die Entwicklung spürbar. Vollzeitbeschäftigte profitierten in Berlin mit einen realen Zuwachs von 3,3 % deutlich stärker als Teilzeitkräfte mit 1,0 %. In Brandenburg waren die Zuwächse identisch. Wie bei der Entwicklung nach Geschlecht stiegen auch hier die Reallöhne um jeweils 1,8 %.
Methodische Hinweise
Aufgrund der geringen Abdeckung des Wirtschaftszweigs B – Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden in Berlin wurde dieser bei der Auswertung nicht berücksichtigt.
Verena Staib
Verdienste
Redaktion
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Die Berücksichtigung von Sonderzahlungen ist ein häufiger Grund für unterschiedliche Lohnangaben. Wann ist welcher Wert aussagekräftiger?
Nicht jede Tätigkeit innerhalb eines Berufsfeldes erfordert die gleiche Qualifikation. Daher wird in der Statistik häufig nach Anforderungsniveaus unterschieden.