Die Welt in unseren Kiezen – wo wird mitgefiebert?
Im Juni und Juli schaut die Fußballwelt nach Mexiko und in die USA. Doch wie viel WM 2026 steckt eigentlich in unseren Berliner Kiezen?...

Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst im Alltag angekommen. Sie prägen nicht nur die öffentliche und politische Debatte, sondern machen sich auch durch steigende Temperaturen und deren Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung bemerkbar.
Anhand ausgewählter Kennzahlen wird nachfolgend die Entwicklung der Durchschnittstemperaturen in der Hauptstadtregion innerhalb der vergangenen vier Jahrzehnte analysiert. Es wird aufgezeigt, welchen Einfluss die fortschreitende Erderwärmung auf die Zahl der Sterbefälle in Berlin und Brandenburg hat.
Im Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2025 starben in Berlin 97 und in Brandenburg 60 Menschen an Hitze. Während Berlin mit 877 Hitzetoten den höchsten Stand dieser Periode im Jahr 1994 verzeichnen musste, war es in Brandenburg mit 362 Hitzetoten das Jahr 2018.
2025 wurden für Berlin 26 und für Brandenburg 21 Hitzetote ausgewiesen. Für beide Länder war 2024 das Jahr mit der höchsten Durchschnittstemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen; das Jahr 2025 fiel mit einer Durchschnittstemperatur von 10,8 Grad (Berlin) und 10,3 Grad (Brandenburg) ein wenig kühler aus, was insbesondere auf den eher regnerischen und vergleichsweise kühlen Juli zurückzuführen ist. Dennoch ist 2025 als ein überdurchschnittlich heißes Jahr einzustufen.
Ein Blick auf die täglichen Durchschnittstemperaturen seit 1985 lohnt sich. Die dunkelblauen Bänder zu Jahresbeginn zeigen die strengen Winter Mitte der 1980er Jahre. Auffällig ist, dass Hitze- und Kälteperioden nicht immer zur selben Zeit im Jahr auftreten. Besonders ins Auge fallen die dunkelroten Felder in den Sommermonaten: Sie markieren extreme Hitzephasen. Schon einzelne heiße Tage belasten den Körper stark – kritisch wird es, wenn es über mehrere Tage auch nachts kaum abkühlt.
Der Zusammenhang zwischen heißen Tagen und einem Anstieg der Sterbefälle lässt sich sehr gut anhand der Heatmaps nachvollziehen, in denen die dunkelgrünen Bänder in den Sommermonaten – Tage erhöhter Sterblichkeit – mit den Hitzeperioden zusammenfallen. Die signifikant erhöhte Zahl der Sterbefälle während der Hitzewelle 1994 ist ebenso erkennbar wie in den Jahren 2006, 2010 und 2018.
Für das Jahr 2025 wurden acht Hitzetage für Berlin identifiziert – weniger als im Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2024 (12,8). Die Anzahl der Exzesstage, an denen die Sterblichkeit in der Gesamtbevölkerung das übliche Maß signifikant überschreitet, war im Berichtsjahr durchschnittlich. Von den 19 Exzesstagen entfiel einer auf einen Hitzetag, woraus sich 26 hitzebedingte Exzesssterbefälle in der Gesamtbevölkerung errechnen. Das sind weit weniger als der Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2024 (97,3) aufweist.
Für das Jahr 2025 wurden sieben Hitzetage für Brandenburg identifiziert – etwas weniger als im Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2024 (8,4). Die Anzahl der Exzesstage, der Tage mit einer das übliche Maß signifikant überschreitenden Sterblichkeit, war im Berichtsjahr durchschnittlich. Von den 20 Exzesstagen entfiel einer auf einen Hitzetag, woraus sich 21 hitzebedingte Exzesssterbefälle in der Gesamtbevölkerung errechnen. Das sind deutlich weniger als der Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2024 (59,7).
Neben den Sterbefällen erfasst das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg auch, wie sich Hitze auf die Zahl der Krankenhausbehandlungen auswirkt. Das Verfahren ähnelt dem für die Sterbefälle: Aus den Wetterdaten werden Hitzetage bestimmt. Behandlungszahlen, die an diesen Tagen über dem zu erwartenden Niveau liegen, gelten als hitzebedingte Fälle.
stationäre Aufnahmen wegen Volumenmangels 2024 in Berlin
stationäre Aufnahmen wegen Volumenmangels 2024 in Brandenburg
Bei den dafür belastbarsten Fällen handelt es sich um stationäre Aufnahmen wegen Volumenmangels (Flüssigkeitsmangel, ICD-10-Schlüssel E86) – also Behandlungen, die ohne die Hitze sehr wahrscheinlich nicht nötig gewesen wären. Drei Dinge sind dabei zu beachten: Erfasst werden ausschließlich stationäre Aufnahmen, also in der Regel schwere Fälle; ambulante Behandlungen und Arztbesuche bleiben außen vor. Außerdem gilt für diese Auswertung ein anderes Hitzekriterium als bei den Sterbefällen: Als Hitzetag zählt hier bereits ein Tag mit einer Durchschnittstemperatur über 21° Celsius (bei den Sterbefällen sind es 23° Celsius). Und schließlich liegen die belastbaren Krankenhausdaten erst mit größerem zeitlichen Abstand vor, weshalb sich die folgenden Zahlen auf das Jahr 2024 beziehen.
2024 wurden in Berlin 109 stationäre Aufnahmen wegen Volumenmangels als hitzebedingt eingestuft; das entspricht 3,5 % aller Behandlungen mit dieser Diagnose. In Brandenburg waren es 177 Fälle bzw. 3,9 %. Diese Zahlen erfassen allerdings nur einen Ausschnitt der tatsächlichen gesundheitlichen Belastung ab, da ausschließlich stationäre Aufnahmen – und damit die schwersten Verläufe – erfasst werden. Wer wegen der Hitze die Hausarztpraxis aufsucht, ambulant versorgt wird oder gar nicht erst zum Arzt geht, taucht in dieser Statistik nicht auf. Die wahre Zahl hitzebedingter Erkrankungen liegt um ein Vielfaches höher. Über die Jahre zeigt sich in beiden Ländern derselbe Zusammenhang wie bei den Sterbefällen: Je heißer ein Sommer, desto mehr Menschen müssen wegen Flüssigkeitsmangels stationär behandelt werden – betroffen sind vor allem ältere Menschen.
Die Analyse der hitzebedingten Mortalität wird vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg im Auftrag der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin und im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg durchgeführt. Das Analyseverfahren wurde gemeinschaftlich erarbeitet und abgestimmt; eine ausführliche Darstellung des Berechnungsverfahrens und der Historie findet sich in dem Beitrag „Hitzebedingte Sterblichkeit in Berlin und Brandenburg“. Auf dieser Grundlage erfolgten auch die Berechnung und Datenlieferung bis einschließlich dem Berichtsjahr 2019.
In Absprache mit den auftraggebenden Institutionen wurde das Verfahren ab dem Berichtsjahr 2020 angepasst. Während die eigentliche Berechnungsmethode unangetastet blieb, wurde eine Erhöhung der Datenqualität und Aussagekraft der Ergebnisse bei einer deutlichen Vorverlegung des Liefertermins angestrebt. Dies konnte durch den Einsatz eines neuen Analyseverfahrens im Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erreicht werden, bei dem auch einige Modifikationen gegenüber dem ursprünglichen Verfahren vorgenommen wurden. So wurden die Datengrundlage bei den Wetterdaten und der Beobachtungszeitraum ausgeweitet und weitere Datenquellen für die Sterbefälle erschlossen, die eine deutlich frühere Ergebnisberechnung zulassen.
PD Dr. Holger Leerhoff
Forschungsdatententrum und statistischer Informationsservice
Redaktion
Content Management
Im Juni und Juli schaut die Fußballwelt nach Mexiko und in die USA. Doch wie viel WM 2026 steckt eigentlich in unseren Berliner Kiezen?...
Landwirtschaft ist nicht nur Nahrungsmittelproduktion. Die Zahlen der amtlichen Statistik geben Einblick in die Vielfalt und die Leistungen der Landwirtschaft in Brandenburg....
„Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit” – das weiß nicht nur Herbert Grönemeyer. Zum Herrentag ein paar amtliche Zahlen aus der Männerwelt.